Zink hilft nicht bei Erkältungen
08. August 2007
Jeder Erwachsene erkrankt im Schnitt dreimal und jedes Kind bis zu zehnmal jährlich an einer Erkältung. Es wird zwar seit geraumer Zeit nach einer wirksamen Therapie gegen diese lästige Krankheit gesucht – man stelle sich das finanzielle Potential vor! – , bislang konnte jedoch kein wirksames Medikament gefunden werden. Das öffnet natürlich Tür und Tor für so manche Scharlatanerie, nicht umsonst ist der Markt voll mit unwirksamen, dafür meist sehr teuren Wundermitteln gegen Erkältungen. Neben einer Reihe von Hausmitteln galten bislang Vitamin C und Zink als sinnvolle Maßnahmen bei der Therapie von Erkältungen. Eine aktuell veröffentlichte Meta-Studie lässt jedoch auch an der Effizienz von Zink zweifeln.
Im Jahr 1984 wurde die erste Studie publiziert, die Zink positive Effekte bei Erkältungen bescheinigte. Es folgten eine Reihe weiterer Studien, die Zink entweder eine Verminderung der Symptome, Reduktion der Krankheitsdauer oder keine Wirkung zugestanden (letztere waren allerdings in der Minderzahl). So fand Zink immer mehr Einzug in die Therapie von Erkältungen.
Von den bislang durchgeführten Studien zu Zink und Erkältungen genügen nur sehr wenige den Standards, die eine verlässliche wissenschaftliche Aussage zulassen. Die bereits angesprochene Meta-Studie fand in den 105 vorhandenen, thematisch relevanten Untersuchungen nur 14 randomisierte, plazebokontrollierte Studien. Davon konnten wiederum 10 Studien nicht die Einschlusskriterien erfüllen.
Der häufigste Makel in den Studien zu Zink und Erkältungen war das Fehlen des sogenannten »intent to treat«. D.h. Personen, welche die Studie vorzeitig beendeten, wurden nicht in die weitere Analyse miteinbezogen. Dies wäre aber insofern relevant, als dass die betroffenen Personen möglicherweise nur deshalb abgebrochen haben, weil die Supplementation von Zink keine Wirkung zeigte. Übrig würden in diesem Fall also nur jene bleiben, bei denen Zink eine Besserung bewirkte. Dieser Störfaktor hätte natürlich erhebliche Auswirkungen auf das Ergebnis der Studie.
Bei zwei der letztlich selektierten vier Studien konnte kein Einfluss von Zink (in Form von Lutschtabletten) auf die Stärke oder Dauer der Erkältung nachgewiesen werden. Eine Studie bescheinigte der nasalen Verabreichungsform (Spray) Wirkungslosigkeit und letztlich wies nur eine einzige Studie positive Effekte (Nasengel) auf Dauer und Symptomatik besagter Krankheit nach.
Caruso TJ, Prober CG, Gwaltney JM. Treatment of Naturally Acquired Common Colds with Zinc: A Structured Review. Clinical Infectious Diseases. 2007 Sept. 1 [Epub ahead of print]
Vitamine - Segen oder Fluch?
Vitamin C fördert möglicherweise die Entstehung von Krebs
Vitamin C hilft kaum bei Erkältungen
Am 14. August 2007 um 15:39 Uhr
Die guten alten Nahrungsmittelzusätze. Im Grunde ist doch alles, was ohne Rezept in der Apotheke verkauft wird, absolut nutzlos. Abgesehen von Schmerzmitteln, Desinfektionsmitteln und Wundverbänden.
Komischer Weise hört man immer von diesem und jenem, dass es das Immunsystem stärke. Gut, unser eins kauft sich Janeways Immunbiologie, liest von der natürlich und adaptiven Abwehr, von Makrophagen, Granulozyten, T- und B-zellen, Dendritischen Zellen, Zytokinen etc. Nur nirgend wo kommt Vitamin-C oder Zink vor. Komisch, entweder war der Janeway saudoof (was ich bezweifle) oder da ist nichts drann. Wenn diese Faktoren wirklich so wichtig sind, warum werden sie in Lehrbüchern für Immunologie nicht erwähnt?
Was Vitamin-C angeht, hab ich mir selber eine Erklärung zusammengebastelt. Beim Zerfall von Granulozyten wird deren Lysosom freigesetzt. Dies enthält hoch-oxidative Stoffe, die eigentlich zum Abtöten der Erreger verwendet werden, jedoch außerhalb des Granulozyten das körpereigene Gewebe schädigen, quasi ein Kollateralschaden verursacht durch das Immunsystem. Vitamin-C als Säure und somit Anti-Oxidationsmittel, könnte als Reaktionspartner mit den oxidativen Stoffen in Verbindung treten und so die Kollateralschäden minimieren. Davon hab ich zwar noch nichts gelesen, aber das erscheint mir als einziges logisch, zumal ich noch keine wirkliche Begründung vom immunologischen Nutzen dieses Vitamins gesehen habe. Demzufolge würde Vitamin-C das Immunsystem nicht stärken, sondern die destruktiven Nebenwirkungen einer Immunantwort eindemmen.
Am 14. August 2007 um 22:20 Uhr
@Moloch:
Als völlig nutzlos würde ich Nahrungsergänzungsmittel nicht deklarieren, aber prinzipiell hast du schon Recht. Es wird leider viel Schindluder betrieben, oben genanntes Vitamin C und Zink halten sich jedoch preislich gottseidank in Grenzen.
Was deine Theorie mit Vitamin C als Antioxidans betrifft: Acetylcystein, auch bekannt als ACC oder Aeromuc, ist ein potenteres Antioxidans. Man verwendet dieses (rezeptfreie) Medikament zwar als Schleimlöser (was übrigens nicht zu empfehlen ist), ich benutze es aber beispielsweise auch gerne bei Sonnenbrand, um die enorme axoidative Belastung abzufangen.
Am 31. Juli 2008 um 10:07 Uhr
Wie wird denn der Schleimlöser ACC bei Sonnenbrand angewandt? Trinkst du die aufgelösten Tabletten, oder reibst du den Sonnenbrand mit der aufgelösten Flüssigkeit ein?
Was ich euch bei Erkältung, Husten, Schnupfen und Infekte der Atemwege empfehlen kann ist Umckaloabo. Dies ist ein Pflanzliches Medikament, dessen Wirkung nicht zu unterschätzen ist.
Wer sich darüber informieren möchte, hier findet ihr weiteres: http://www.umckaloabo.de/umckaloabo/atem/index.php
Am 5. August 2008 um 16:56 Uhr
@marcus:
systemische anwendung, sprich: trinken oder schlucken.
Am 17. September 2009 um 21:01 Uhr
[…] also das mit dem zink würd ich nicht unbedingt für bare münze nehmen^^ folgenden link hab ich gerade spontan gefunden: Zink hilft nicht bei Erkältungen – enutrio.de finde das thema wirklich interessant. bei gelegenheit werd ich mal in mein immunologie-buch gucken __________________ man lebt wofür man sterben würde… U60 – finally […]