Wie Kinder ihre Nahrungsmittel beurteilen

04. Juli 2007

Ernährung und Gesundheit der KinderKinder werden im Laufe ihrer Entwicklung einer schier unüberblickbaren Menge an Information über den gesundheitlichen Wert von Lebensmitteln ausgesetzt. Angefangen von den Eltern, über Medien wie Radio und Fernsehen, bis hin zu Einrichtungen wie Kindergarten, Vorschule oder Schule werden die Kinder über die (vermeintlich) richtige Ernährung aufgeklärt. Doch die dargebotenen Inhalte sind keinesfalls immer richtig. Vor allem Werbung für Softdrinks, Süßigkeiten und Fast Food war in letzter Zeit zunehmender Kritik ausgesetzt – im Hinblick auf die wachsende Zahl von übergewichtigen Kindern kein Wunder. Das führte beispielsweise in England soweit, dass zu bestimmten Tageszeiten keine Werbung mehr für solcherlei Produkte ausgestrahlt werden darf (enutrio.de berichtete, siehe hier und hier).

Bis jetzt ist nur wenig darüber bekannt, wie und ab welchem Alter die Kinder all diese Informationen kognitiv verarbeiten und organisieren können. Ein theoretischer Ansatz besagt, die Kinder würden eine wachsende Zahl an Kategorien formieren, in welche sie die Lebensmittel einordnen würden. Aus anfänglichem »gesund« und »nicht gesund« enstünde so im Laufe der Jahre ein hochkomplexes Konstrukt mit vielen Quervernetzungen.

Eine aktuelle Studie untersuchte nun, ab welchem Alter die Kinder die Nahrungsmittel richtig einschätzen können. Sie beschränkten sich dabei auf die simple Unterteilung in »gesund« und »nicht gesund«. Ausserdem mussten die Probanden eine Begründung für ihre jeweilige Zuordnung liefern. Insgesamt waren 70 verschiedene Lebensmittel zu beurteilen.

An der Studie nahmen 48 Kinder Teil: in Gruppe I waren 16 3jährige (6 Buben und 10 Mädchen), in Gruppe II befanden sich 16 4jährige (8 Buben und 8 Mädchen) und in Gruppe III 16 7jährige (8 Buben und 8 Mädchen). Als Vergleichsgruppe fungierten 16 Erwachsene (9 Männer und 7 Frauen).

Die Genauigkeit in der Einteilung der Lebensmittel in die richtige Kategorie stieg gemäß den Erwartungen mit dem Alter an. Der größte und statistisch signifikante Entwicklungsschritt fand zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr statt. Die dreijährigen Kinder wiesen eine Trefferquote von 59% auf, die Vierjährigen von 73%. Der weitere Anstieg um 5% auf 78% Trefferquote bei den siebenjährigen Kindern fiel hingegen überraschend gering aus. Letztlich waren auch die Erwachsenen mit durchschnittlich 94% richigen Antworten nicht perfekt. Ein Großteil der Kinder neigte dazu, gewisse Lebensmittel aufgrund ihrer Herkunft falsch einzuschätzen. So galten Kartoffeln oder Tomaten richtigerweise als gesund, weshalb auch ihre weiterverarbeiteten Produkte wie etwa Pommes frites und Ketchup häufig dieser Kategorie zugeordnet wurden.

Einige ungesunde Lebensmittel bereiteten den Kindern besondere Schwierigkeiten in der Klassifikation. Dazu zählten Gerichte, die aus diversen Gemüsesorten hergestellt wurden, wie beispielsweise die bereits genannten Pommes frites. Auch Fleisch in Form von Hot Dogs oder Hamburgern wurde oft falsch kategorisiert. Die Kinder hatten zudem Schwierigkeit mit Donuts und gesüßten Getränken.

Doch wie sah es mit dem zugrundeliegenden Verständnis aus? Ein großer Prozentsatz der Siebenjährigen (94%) und Erwachsenen war fähig, ihre Kategorisierungen richtig zu begründen. Sie verstanden also, was gesunde und was ungesunde Lebensmittel ausmacht. Die dreijährigen Kinder konnten diese Hürde (erwarteterweise) noch nicht korrekt bewerkstelligen und rund 50% der Vierjährigen hatten die richtige Begründung parat.

Als Hauptaussage der Studie kann man die Tatsache ansehen, dass schon dreijährige Kinder ihre Ernährung bis zu einem gewissen Grad richtig einschätzen können und etwa ab dem vierten Lebensjahr echtes Verständnis für die Gründe hinter der korrekten Kategorisierung entsteht. Im Laufe der weiteren kindlichen Entwicklung findet zudem noch eine Menge an »Kategorielernen« statt. Irgendwann verstehen die Kinder dann auch die Bedeutung hinter dem allseits beliebten Satz »An apple a day keeps the doctor away«.

Nguyen SP. An apple a day keeps the doctor away: children’s evaluative categories of food. Appetite. 2007 Jan;48(1):114-8. Epub 2006 Sep 7.

Weiterführende Literatur: Die Gesundheit unserer Kinder

Alle Beiträge lesen zu
Haben Sie eine Meinung? Geben Sie einen Kommentar ab! (keine Registrierung nötig)
BESUCHEN SIE UNSER NEUES FORUM! KOMPENTENTE ANTWORTEN, ÄRZTLICHE BERATUNG!

Einen Kommentar schreiben