Welchen Einfluss hat die Art des Zuckers auf das Sättigungsgefühl?
12. Juli 2007
Gesüßte Getränke werden immer häufiger für die zunehmende Problematik des Übergewichts bei Kindern und Erwachsenen verantwortlich gemacht. Der hohe Fructoseanteil in diesen Getränken soll nur ein geringes Sättigungsgefühl erzeugen, weshalb weit über den Bedarf hinaus Kalorien zugeführt und als Fett gespeichert werden. Die Getränkeindustrie nahm dies zum Anlass, vermehrt auf andere Zuckersorten zurückzugreifen und dafür entsprechend die Werbetrommel zu rühren. Inwiefern diese Vorgehensweise überhaupt Sinn macht hat nun eine Forschergruppe der Universität Washington untersucht.
Die Wissenschaftler verglichen die Auswirkungen von kommerziellen Getränken, die entweder Haushaltszucker (Saccharose bzw. Sucrose) oder unterschiedliche Mengen an Fructose enthielten, auf den Hunger, den Sättigungsgrad und die Kalorienaufnahme bei der nächstfolgenden Mahlzeit.
Dazu konsumierten 37 Probanden (19 Männer, 18 Frauen) zunächst ein standardisiertes Frühstück. Zwei Stunden später erhielten die Freiwilligen im Alter zwischen 20-29 Jahren ein Cola-Getränk mit genau 215 kcal. Die Cola war jeweils mit verschiedenen Zuckerarten gesüßt: Saccharose, sogenanntes HFCS42 mit 42% Fructose und HFCS55 mit 55% Fructose. Als Kontrollen wurden Diätcola mit 2 kcal, Milch mit 1% Fett und Wasser verwendet. Unmittelbar nach dem Konsum der Getränke und in zwanzigminütigen Abständen mussten die Probanden ihren Hunger, Durst und ihr Sättigungsgefühl mittels eines Fragebogens beurteilen. Nach circa 2 Stunden wurde ein Mittagessen (mit 1708 kcal) serviert und die Kalorienaufnahme gemessen.
Bei allen vier Probandengruppen mit kalorischen Getränken (Saccharose, HFCS42, HFCS55 und Milch) war die Energieaufnahme beim Mittagessen teilweise reduziert. Statistisch signifikant war die verminderte Kalorienzufuhr nur bei der Milch. Insgesamt war die Kalorienzufuhr über den Tag jedoch bei allen kalorischen Getränken erhöht. D.h. die Kalorien, die beim Mittagessen weniger verzehrt wurden, kompensierten nicht die Mehr-Kalorien aus den gesüßten Getränken. Demgegenüber zeigten die Probanden mit Wasser und Diät-Cola gleichermaßen kein verändertes Essverhalten.
Die Autoren der Studie zogen aus diesen Ergebnissen den Schluss, dass bei gesüßten Getränken die Art des Zuckers keine wesentliche Rolle spiele. Hunger, Sättigungsgefühl und kurzfristige Energiezufuhr seien davon weitgehend unabhängig und ein Ausweichen auf andere Zuckerarten sei sinnlos. Um Übergewicht zu vermeiden helfe letztlich nur eine Einschränkung der zugeführten Kalorien.
Monsivais P, Perrigue MM, Drewnowski A. Sugars and satiety: does the type of sweetener make a difference? Am J Clin Nutr. 2007 Jul;86(1):116-23.
Weiterführende Literatur: Zucker – der süße Verführer. Alles Wissenswerte und praktische Gesundheitstipps
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Am 15. August 2007 um 13:06 Uhr
Zuckerarten mit einer hohen Insulinogenität führen aber zu einem rapiden Anstieg des Blutzuckerspiegels, gefolgt von einem rapiden Abfall, der zu einer Heißhungerattacke führt. Somit wirken wenig insulinogene Zuckerarten zwar nicht sättigender, jedoch führen sie nicht zu besagter Heißhungerattacke.