Wein für die Zähne?
26. Juni 2007
»Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben« meinte schon Wilhelm Busch in seinen Abenteuern eines Junggesellen. Und die Wissenschaft gibt ihm Recht: Wein ist neben dem gutem Geschmack auch hinlänglich für seine gesundheitsförderlichen Effekte bekannt. So soll hauptsächlich der Gehalt an Polyphenolen im roten Wein für seine antioxidativen Eigenschaften verantwortlich sein. Rotwein schützt vor Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Entwicklung von Krebs.
Dem Wein werden jedoch auch antibakterielle Wirkmechanismen nachgesagt. Schon in der Antike benutzte man Rotwein, um Wunden zu desinfizieren. Diese Eigenschaften wurden jedoch nie genauer untersucht. Eine italienische Forschgruppe nahm dieses Manko zum Anlass, eine Studie über die Wirkung von rotem und weißem Wein auf die Bakterien des Mundes, der Zähne und des Halses durchzuführen.
Für Zahnplaque und in weiterer Folge Karies und Parodontose werden unter anderem verschiedene Stämme von Streptokokken (=Bakterien) verantwortlich gemacht. Neben diesen »Karieskeimen« untersuchten die Forscher auch Streptococcus pygenes, ein Bakterium, das Rachenentzündungen (=Pharyngitis) bzw. eitrige Angina verursachen kann.
Als Testweine benutzten die italienischen Wissenschaftler den roten Valpolicella Classico DOC Superiore und den weißen Pinot Nero DOC. (Anmerkung der Redaktion: Gerüchte besagen, die Wirkung der beiden Weine auf die Bakterien des Mundes wurden vom gewissenhaften Personal erst ausgiebig in vivo, also am lebenden Objekt (in dem Fall ihnen selbst), erprobt, um nicht unnötiges Labormaterial zu verschwenden.)
Damit die Ergebnisse nicht durch die Wirkung des Alkohols (Ethanol) verfälscht werden, entalkoholisierten die Italiener den Wein. Beide Weinsorten zeigten letztlich eine antibakterielle Wirkung gegen die Keime der Mundflora. Roter Wein war dabei etwas potenter als Weißwein, jedoch nicht signifikant. Die vielgepriesenen Polyphenole erwiesen sich bezüglich der antibakteriellen Eigenschaften des Weins übrigens als wirkungslos. Verantwortlich waren vielmehr eine Reihe von Säuren.
Somit wird die Liste der positiven Wirkungen von Wein um einen Punkt reicher. Leider ersetzt ein abendliches Gläschen Rotwein nicht das Zähneputzen, auch wenn das wohl vielen Menschen sehr gelegen käme.
Daglia M, Papetti A, Grisoli P, Aceti C, Dacarro C, Gazzani G. Antibacterial Activity of Red and White Wine against Oral Streptococci. J Agric Food Chem. 2007 Jun 27;55(13):5038-42. Epub 2007 Jun 5.
Weiterführende Literatur: Kleines Lexikon der Wein-Irrtümer
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