Warum Low-carb Diäten funktionieren

12. August 2007

Low carb, Atkins, South Beach, LOGIKohlenhydratarme (low-carb) Diäten wie die Atkins Diät, die South Beach Diät oder die LOGI-Methode sind nach wie vor populär. Statt Kartoffeln, Reis, Nudeln und Obst stehen bei diesen Ernährungsformen Fleisch, Eier, Fisch, Butter und Pflanzenöle auf dem Speiseplan. Die Gründe, warum trotz dieser fettreichen Ernährung die Pfunde purzeln, sehen Experten unter anderem im Verlust von Wasser und Langeweile in der Nahrungsauswahl. Durch den ausgeprägten Wasserverlust lassen sich die anfänglich sehr raschen Gewichtsverluste bei low-carb Diäten leicht erklären. Warum die Kilos bei den kohlenhydratarmen Diäten wirklich so schnell dahinschmelzen, hat eine Studie der medizinischen Universität von Philadelphia herausgefunden.

Der Körper braucht Kohlenhydrate, um beispielsweise dem Gehirn oder der Muskulatur Energie bereitzustellen. Werden dem Körper keine Kohlenhydrate mit der Nahrung zugeführt oder sind die Kohlenhydratvorräte erschöpft, stellt sich der Stoffwechsel um. Alternativ bedient sich der Organismus an Fettsäuren, die in der Leber zu so genannten Ketonkörpern umgewandelt werden. Sie fungieren im Körper als Glucoseersatz und werden in den Zellen zur Energiegewinnung herangezogen. Steigt die Konzentration der Ketonkörper im Blut stark an, nennt man diesen Stoffwechselzustand Ketose. Deshalb nennt man entsprechende Ernährungsformen auch ketogene Diäten. Die Ketose macht sich unter anderem durch einprägsamen Mundgeruch bemerkbar, der durch das Stoffwechselprodukt Aceton hervorgerufen wird.

Die Studie fand unter ständiger Beobachtung der Probanden in einem Krankenhaus statt. Im Gegensatz zu vielen existierenden low-carb Studien konnten so jegliche äußeren Einflüsse und Ernährungsfehler der Teilnehmer ausschließen. Nach einer Woche Krankenhausaufenthalt, in der die Probanden so essen konnten, wie sie es von zuhause gewohnt waren, begann die low-carb Diät. Über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg durften die übergewichtigen Typ 2 Diabetiker maximal 20 g Kohlenhydrate täglich zu sich nehmen. Protein und Fett unterlagen keiner Einschränkung.

Es zeigte sich Erstaunliches: Obwohl die Studienteilnehmer soviel essen durften, wie sie wollten, reduzierte sich die tägliche Kalorienzufuhr von durchschnittlich 3011 kcal auf 2164 kcal, also um 1027 kcal weniger. Doch die Probanden waren nicht etwa durch das Essen gelangweilt – im Gegenteil, sie liebten es – sondern waren schlichtweg früher satt und hatten keinen Appetit mehr auf einen Nachschlag. Im Schnitt nahmen sie in den 14 Tagen 1,65 kg ab.

Was ist der Grund für diesen Effekt? Fettreiche Lebensmittel sind in der Regel sehr proteinreich und ebendiese Proteine besitzen den höchsten Sättigungswert in der Ernährung. Das führt dazu, dass man früher seine Mahlzeiten beendet und insgesamt weniger Kalorien zu sich führt. Kohlenhydrate besitzen zwar pro Gramm genausoviel Kalorien wie Proteine – nämlich vier – füllen den Magen aber weitaus insuffizienter. Ein Liter Cola sättigt einfach weniger gut als 200 g feinstes Rindersteak. Es verbesserten sich während der kurzen Studienzeit zwar auch die Blutfette, die Langzeitwirkungen auf die Gesundheit sind jedoch umstritten und noch nicht zur Gänze erforscht.

Obwohl die Studie einigen Einschränkungen unterliegt, zum Beispiel wegen der kurzen Studiendauer, der geringen Anzahl an Probanden und der fehlenden Vergleichsgruppe, konnte sich eindrucksvoll gezeigt werden, dass low-carb Diäten – zumindest anfänglich – schnellen Erfolg versprechen.

Boden G, Sargrad K, Homko C, Mozzoli M, Stein TP. Effect of a low-carbohydrate diet on appetite, blood glucose levels, and insulin resistance in obese patients with type 2 diabetes. Ann Intern Med. 2005 Mar 15;142(6):403-11. Summary for patients in: Ann Intern Med. 2005 Mar 15;142(6):I44.

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4 Reaktionen zu “Warum Low-carb Diäten funktionieren”

  1. Der Moloch

    Diese Form der Diät ist meiner Meinung nach nur deshalb erfolgreich, weil die Energiebilanz in der Regel negativ ausfällt. Demzufolge liegt es nicht explizit an der geringen KH-Menge, sondern am Kcal-Defizit, was durch den Sättigungseffekt der protein/fettreichen Lebensmittel bedingt ist. Hätten die Probanden eine positive Energiebilanz gefahren, hätten sie natürlich zugenommen. Aus dem Grund finde ich die Bezeichnung Low-Carb-Diät irreführend, da man auch ohne Kohlenhydrate verfetten kann.

  2. DocMed

    @Moloch:
    Völlig richtig, entscheidend ist die negative Kalorienbilanz. Jeder weiß, dass sich das einfacher anhört, als es tatsächlich ist. In Wirklichkeit ist eine negative Kalorienbilanz mit viel Disziplin verbunden. »Diätprogramme« geben einen Weg vor, wie man sich das Leben evtl. ein wenig erleichtern könnte. Obwohl ich kein Low-Carb Verfechter bin, scheint es doch ein Vorteil zu sein, wenn man sich bei einer Diät mit negativer Kalorienbilanz nicht ständig unterernährt, sondern satt fühlt. Das ist das Plus von Low-Carb, die Langzeitauswirkungen auf die Blutfette etc stehen auf einem anderen Blatt.

    Wie du richtig sagst, kann man natürlich auch ohne Kohlenhydrate dick werden – man muss nur genug essen.

  3. PUMPiNG

    Dem kann ich nur zustimmen. Bei meiner damaligen Anabolen Diät hatte
    ich auch fast nie hunger. Allerdings finde ich, dass die Ketose eine untergeordnete Rolle spielt. Ich finde es sogar schlauer vereinzelt auf den Genuss von Kohlenhydraten einzugehen, um somit nicht irgendwann völlig Schwach zu werden und sich mit jeglichen Kohlenhydraten vollzustopfen. Nicht dass die Kohlenhydrate an sich das Problem wären, sondern eben die damit aufgenommene Kalorienmenge.

    Somit sehe ich ganz Klar nur den Vorteil des Sättigunggefühls in einer LOW Carb Diät, keinesfalls zu verwechseln mit NO Carb.

  4. DocMed

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Sättigungsgefühl bei jeglicher Art von Diät ohnehin mit der Zeit adaptiert. Im Artikel Übergewicht und Abnehmen bin ich auf eine empfehlenswerte Art von Diät eingegangen. Nach einigen Tagen des Hungers, die zugegebener Maßen nicht gerade angenehm sind, hat sich der Organismus an die mangelnde Kalorienzufuhr gewöhnt und rebelliert nicht mehr in dem Ausmaß, wie er es zuvor getan hat. Diese Phase ist einerseits gut, andererseits läuft man dadurch Gefahr, in ein gestörtes Essverhalten abzurutschen.

    Daneben gibt es auch psychologische Ansätze während einer Diät, die eine partiell dissoziative Sichtweise erfordert. Hier bewegt man sich allerdings wirklich auf einem Grat, der eine starke Persönlichkeit erfordert und andernfalls ziemlich gefährlich werden kann.

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