Vitamin D Mangel in der Schwangerschaft ist weit verbreitet

11. März 2007

Schwangerschaft Vitamin DObwohl in den modernen Industrieländern sowohl durch die Ernährung als auch durch die Vitaminsupplementation keinerlei Mangelerscheinungen auftreten sollten, ist den Ergebnissen einer aktuellen Studie zufolge ein Vitamin D Mangel unter Schwangeren sehr viel häufiger als weithin angenommen.

Das fettlösliche Vitamin D wirkt auf Knochen, Darm, Nebenschilddrüse und Nieren und hat hier vor allem Einfluss auf den Calciumstoffwechsel. Ein Mangel führt bei Kindern zu Rachitis (Knochenweiche, bei Erwachsenen: Osteomalazie) und erhöht das Risiko für Typ 1 Diabetes, Asthma oder Schizophrenie.

In ihrer Studie untersuchten Bodnar et al. den Vitamin D-Status von 200 weißen und 200 schwarzen Frauen aus Nordamerika im Zeitraum von 1997-2001. Blutproben wurden vor der 22. Schwangerschaftswoche, kurz vor der Geburt und aus der Nabelschnur des Neugeborenen genommen und auf ihren Vitamin D-Gehalt untersucht. Die Frauen und Kinder wurden eingeteilt in Probanden mit Vitamin D Mangel (25(OH)D<37.5 nmol/L), unzureichender Vitamin D Versorgung (25(OH)D 37.5-80 nmol/L) und ausreichendem Vitamin D Status (25(OH)D>80 nmol/L).

Die Ergebnisse waren beeindruckend im negativen Sinne: Bei der Geburt hatten 83,3% der schwarzen Frauen (29.2% mit Mangel, 54.1% mit unzureichendem Spiegel) und 92,4% ihrer Neugeborenen (45.6% mit Mangel, 46.8% mit unzureichendem Spiegel ) nicht ausreichend Vitamin D im Blut. Bei den weißen Frauen wiesen 47,1% (5% mit Mangel, 42,1% mit unzureichendem Spiegel) und 66,1% ihrer Neugeborenen (9,7% mit Mangel, 56,4% mit unzureichendem Spiegel) einen nicht zufriedenenstellenden Vitamin D-Status. 90% aller Frauen nahmen zudem Vitaminpräparate während der Schwangerschaft ein!

Der menschliche Körper kann die Vorstufe (=Prohormon) von Vitamin D, nämlich Vitamin D3, selbst produzieren oder mit der Nahrung zugeführt bekommen. Durch UV-B Strahlung (Sonnenlicht) wird diese Vorstufe zum eigentlichen Vitamin D umgebaut. Deshalb weiß man seit längerem, dass Vitamin D Mangel vor allem bei dunkelhäutigen Menschen und teilweise bei der nördlichen Bevölkerung mit weniger UV-Exposition vorkommt. In der Tat ist aus demselben Grund der Vitamin D-Mangel bei Frauen im gebährfähigen Alter im Winter 3x höher als im Sommer. Da die Vitamin D-Speicher eines Neugeborenen vollständig vom Vitamin D Gehalt der Mutter abhängen überrascht es kaum, dass ein niedriger mütterlicher Vitamin D Status zu einer entsprechend schlechten Vitaminversorgung des Kindes führt

Vitamin D3 findet man als fettlösliches (Pro-)Vitamin vor allem in fettem Fisch, beispielsweise hat Hering 31 µg Vit D3/100 g, Lachs 16 µg D3/100 g. Andere Lebensmittel mit entsprechend hohem Vit. D3 Gehalt sind Kalbfleisch mit 3,8 µg/100 g oder Hühnereier mit 3,6 µg/100 g. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung beträgt der Tagesbedarf an Vitamin D3 für Erwachsene 5 µg, für Kinder, Schwangere und Stillende 10 µg.

Gemäß den Autoren zeigt die besagte Studie klar auf, dass die empfohlenen Einnahmedosen von Vitamin D in der Schwangerschaft erneut überarbeitet werden müssen, da die Bedürfnisse in dieser Lebensphase bei Weitem nicht gedeckt werden können. Eine bessere Vitamin D-Versorgung bringe für die Gesundheit der Bevölkerung enorme Vorteile mit sich.

Bodnar LM, Simhan HN, Powers RW, Frank MP, Cooperstein E, Roberts JM. High prevalence of vitamin D insufficiency in black and white pregnant women residing in the northern United States and their neonates. J Nutr. 2007 Feb;137(2):447-52. [Link]

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