Vitamin C hilft kaum bei Erkältungen

20. August 2007

Vitamin C bei erkältungen unwirksamVitamin C (Ascorbinsäure) gilt seit seiner Bekanntmachung durch Linus Pauling als Allheilmittel. Laut medizinischer Literatur wirkt die Ascorbinsäure unter anderem positiv auf das Immunsystem, die Blutgefäße ud das Bindegewebe. Eine wichtige Rolle spielt Vitamin C auch als Antioxidans, da es freie Radikale im Körper abfängt und neutralisiert. Obwohl Vitamin C in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommt, wird heutzutage häufig auf Vitamin C Tabletten, Brausetabletten oder Multivitamintabletten zurückgegriffen. Vor allem zur Prävention und Behandlung von Erkältungen kommt die Ascorbinsäure gerne zum Einsatz – oft in hochdosierter Form. Nachdem eine Studie erst unlängst die Sinnhaftigkeit von Zink bei Erkältungen anzweifelte (siehe hier), gerät nun auch der Mythos ums Vitamin C ins wanken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 100 mg Ascorbinsäure täglich für Jugendliche ab 13 Jahren und alle Erwachsene. Schwangere sollen täglich 110 mg zuführen und Raucher 150 mg. Linus Pauling empfahl zur Prävention von Erkältungen tägliche Dosierungen von Vitamin C im Grammbereich. Die Autoren einer Meta-Studie der renommierten Cochrane Library widersprechen dem Nobelpreisträger nunmehr vehement.

In besagter Meta-Studie entsprachen 30 Untersuchungen den Einschlusskriterien. Insgesamt konnte man so die Daten von 11350 Probanden auswerten. Es wurden im Vergleich zur Plazebo-Gruppe mindestens 200 mg Vitamin C täglich eingenommen.

Es zeigte sich, dass das Risiko, an einer Erkältung zu erkranken, um ungefähr 4% sank, wenn jeden Tag präventiv Vitamin C zugeführt wurde. Bei Personen, die sich während der Supplementation von Vitamin C eine Erkältung zuzogen, sanken Schwere und Dauer der Erkrankung um ungefähr 8% bei Erwachsenen und 13% bei Kindern im Vergleich zur Plazebo-Gruppe. Für den Fall, dass die Einnahme von Vitamin C erst begonnen wurde, wenn bereits eine Erkältung im Gange war, zeigten die vorliegenden Daten ein zu unschlüssiges und uneinheitliches Bild, um ein abschliessendes Urteil abgeben zu können.

Den einzigen Vorteil einer Vitamin C Supplementation sahen die Autoren bei Personen, die körperlichen oder umweltbedingten Extremsituationen ausgesetzt waren. Dazu zählen beispielsweise Menschen in besonders kalten Gegenden oder körperlich schwer arbeitende Bevölkerungsgruppen. Bei diesem Probandenkollektiv reduzierte sich das Erkältungsrisiko bei Einnahme von 200 mg täglich um bis zu 50%. Somit wirkt Vitamin C wahrscheinlich bei Marathonläufern, Schifahrern, Soldaten oder arktischen Forschergruppen, aber nicht beim Durchschnittserwachsenen der westlichen Welt.

Entsprechend den Ergebnissen der Review-Studie zogen die Autoren ein relativ eindeutiges Resumee:

The failure of vitamin C supplementation to reduce the incidence of colds in the normal population indicates that routine mega-dose prophylaxis is not rationally justified for community use. But evidence suggests that it could be justified in people exposed to brief periods of severe physical exercise or cold environments.

It doesn’t make sense to take vitamin C 365 days a year to lessen the chance of catching a cold.

Demnach stünde – sinngemäß übersetzt – der Nutzen einer präventiven Einnahme hoher Dosen Vitamin C für einen normalen Erwachsenen, der keiner extremen Belastung ausgesetzt ist, in keiner Relation zum Aufwand und sei nicht zu empfehlen.

Douglas R, Hemila H, Chalker E, Treacy B. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2007 Jul 18;(3):CD000980.

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5 Reaktionen zu “Vitamin C hilft kaum bei Erkältungen”

  1. ilpadre

    Geben wir dem ollen Pauling mal nicht zu viel Kredit – entdeckt wurde das Zeug ein paar Jahre, bevor er mit seiner orthomokekularen Philosophie begann (Synthese 1934 durch Haworth). ;)

  2. DocMed

    Einigen wir uns auf »entdeckt« im Sinne von »populär gemacht«. ;)

    mfg

  3. Reteidh

    Vitamin C ist ein starkes Prooxidanz, wenn es zusammen mit Eisen genommen wird (wird Frauen oft empfohlen) !!!

  4. DrLiebling

    Die, die nichts entdeckt oder populär gemacht haben können natürlich jahrzehnte später immer behaupten (natürlich mit dem
    Wissensstand von Heute) das sie schon immer wussten, dass der damals nur Müll geredet hat. Wie heisst es so schön »Hinterher ist jeder schlauer«.

    Und anstatt Vitamin C und Zink zu sich zunehmen ist es natürlich allemal besser eine ACC zu schlucken (ist ja reine Natur) – gell DocMed. Ich bin zwar kein Mediziner aber ich habe noch nie davon gehört, dass mein Körper zum Leben irgendein Pharmazeutisches Präparat benötigt.

  5. DocMed

    @DrLiebling

    Die, die nichts entdeckt oder populär gemacht haben können natürlich jahrzehnte später immer behaupten (natürlich mit dem Wissensstand von Heute) das sie schon immer wussten, dass der damals nur Müll geredet hat. Wie heisst es so schön »Hinterher ist jeder schlauer«.

    So ist es. Das könnte man, wenn man denn wollte.
    Gottseidank ist die Wissenschaft keine Einbahnstraße, sonst würde man heute noch darüber diskutieren, welchen Durchmesser unsere kleine, beschränkte Scheibenwelt denn hat.

    Und anstatt Vitamin C und Zink zu sich zunehmen ist es natürlich allemal besser eine ACC zu schlucken (ist ja reine Natur) – gell DocMed.

    Kommt auf die Indikation an. Die Supplementation supraphysiologischer Mengen von Vitamin C ist jedenfalls um keinen Deut natürlicher als beispielsweise ACC.

    Kein Fertigprodukt ist frei von irgendwelchen künstlichen Stoffen (Geschmacksverstärker, Farbstoffe,..) , Äpfel werden mit Herbiziden bespritzt bis zum Anschlag und manche Tomaten haben ihren ersten Sonnenstrahl erst dann gesehen, als sie auf den Lastwagen geladen wurden. Was also ist »natürlich«?

    Ich bin zwar kein Mediziner aber ich habe noch nie davon gehört, dass mein Körper zum Leben irgendein Pharmazeutisches Präparat benötigt.

    Ich kenne Ihren Körper nicht. Üblicherweise benötigt ein gesunder Körper jedoch kein Medikament – aber genauso wenig benötigt er Vitamin- oder Spurenelementsupplemente (welche ja auch ein pharmazeutisches Präparat darstellen), es sei denn er ist Extremsituationen ausgesetzt.

    Wiegesagt: Wissenschaft ist keine Einbahnstraße. Durch Fortschritt und Technik kann man so manche frühere (Lehr)meinung revidieren, ergänzen oder verbessern – gottseidank!

    mfg

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