Vitamin B1 Mangel bei Diabetikern könnte Ursache für Gefäßprobleme sein
02. September 2007
Diabetes mellitus stellt aufgrund der steigenden Zahl an Erkrankten, den gesundheitlichen Folgen und der daraus resultierenden finanziellen Belastung für das Gesundheitsystem ein ernstzunehmendes Problem dar. Durch die zunehmend ungesunde Ernährung und den Mangel an Bewegung wird das Alter der Betroffenen immer jünger. Die Komplikationen der Zuckerkrankheit betreffen vor allem Blutgefäße und Nerven. Schäden an kleinen Gefäßen beeinträchtigen dabei Retina (Netzhaut) und Niere, Verkalkungen der großen Gefäße haben PAVK, Herzinfarkt oder Hirnschlag zur Folge. Ein Forscherteam hat nun eine mögliche Ursache für die Gefäßprobleme der Diabetiker gefunden und einen irreführenden Fehler aufgedeckt.
Das Team aus Wissenschaftlern hat entdeckt, dass die Konzentration von Vitamin B1 (Thiamin) bei Typ 1 Diabetikern um 76 % und bei Typ 2 Diabetikern um 75 % im Vergleich zur gleichaltrigen Normalbevölkerung reduziert war. Sie untersuchten dafür insgesamt 74 Diabetiker (26 mit Typ 1 und 48 mit Typ 2) und 20 gesunde Freiwillige.
Wie konnte dieser simple Umstand so lange im Verborgenen bleiben? Um den Vitamin B1 Spiegel im Blut zu bestimmen wird üblicherweise die Aktivität des Enzyms Transketolase der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gemessen und auf den Vitaminspiegel rückgeschlossen – damit erhält man aber letztlich nicht den Vitamingehalt des Blutplasmas, sondern der roten Blutkörperchen. In vorhergehenden Studien zeigte sich bei dieser Vorgehensweise immer ein völlig normaler Vitamin B1 Spiegel bei Patienten mit Diabetes mellitus. Die Ursache dafür liegt in den Transportproteinen THTR-1 und RFC-1. Diese beiden Proteine sind für den Transport von Thiamin aus dem Blut in die Erythrozyten zuständig. Ist das Angebot an Thiamin gering, so erhöht sich die Anzahl der Transportproteine und der Thiamingehalt der roten Blutkörperchen kann im Normbereich gehalten werden. Auf diese Weise maskiert der »normale« Thiamingehalt der Erythrozyten den Mangel an Vitamin B1 im Blutplasma.
Den zu geringen Thiaminspiegel der Diabetiker führten die Wissenschaftler nicht auf einen Mangel in der Ernährung, sondern auf eine gesteigerte Ausscheidung über die Niere zurück. So war die gemessene Ausscheidungsrate gegenüber gesunden Personen um das 24fache bei Typ 1 und das 16fache bei Typ 2 Diabetikern erhöht. Die Ursache dafür sehen die Forscher in einer durch den hohen Zuckerspiegel gestörten Regulation der Thiaminrezeptoren (THTR-1, THTR1 und RFC-1) in den Nieren.
Durch den Ausgleich dieses Mangels mit Thiaminsupplementen erhoffen sich die Studienautoren eine Prävention und Verringerung der gefäßassoziierten Komplikationen der Zuckerkrankheit. Es sei jedoch noch einiges an Forschung nötig, um die erforderlichen Supplemente und Konzentrationen herauszufinden.
Für Erwachsene empfiehlt die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) ca. 1,2 mg Thiamin täglich (die genauen Referenzewerte findet man hier). Pro 100 g findet man 13,1 mg in Bierhefe, 2,2 mg in Sonnenblumenkernen, 2 mg in Weizenkeimen, 0,90 mg in Schweinefleisch, 0,60 mg in Rindfleisch, 0,1 mg in Hühnerfleisch.
Thornalley PJ, Babaei-Jadidi R, Al Ali H, Rabbani N, Antonysunil A, Larkin J, Ahmed A, Rayman G, Bodmer CW. High prevalence of low plasma thiamine concentration in diabetes linked to a marker of vascular disease. Diabetologia. 2007 Aug 4; [Epub ahead of print]
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