Viszerales Fett ist wesentlich an Entzündungen beteiligt
14. März 2007
Höchstinteressante Ergebnisse brachte eine Studie zutage, die sich mit dem Zusammenhang zwischen viszeralem Fett (=Fettgewebe um die inneren Organe) und chronischen Entzündungsvorgängen im Körper von stark übergewichtigen Personen beschäftigte. Es ist seit langem bekannt, dass Entzündungen die Entstehung von Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes fördern. Bis jetzt konnte jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden, ob das Fettgewebe eine ursächliche oder nur eine beiwohnende Rolle im Entstehungsprozess dieser Entzündungen spielt.
Aus früheren Studien weiß man, dass das Fettverteilungsmuster und die Fettmenge wesentlich an der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen und Diabetes beteiligt sind. Personen mit dem sogenannten Apfel-Verteilungsmuster, die ihr Fett hauptsächlich im Bereich des Bauches ablagern, haben beispielsweise ein höheres Risiko eine der assoziierten Erkrankungen zu bekommen als Menschen mit Birnen-Verteilungsmuster, die ihre Fettzellen hautsächlich an Oberschenkel und Hüfte deponieren.
Dabei ist jedoch das subkutan (=unter der Haut) liegende Fett nicht der ausschlaggebende Faktor. Eine Studie aus dem Jahr 2004 zeigte eindeutig, dass bei operativer Entfernung des subkutanen, abdominellen Fettes durch Fettabsaugung keinerlei positiven Effekte bezüglich des kardiovaskulären Risikos zu erwarten waren. Die Chirugie stellt in diesem Fall also keinerlei Konkurrenz zum wirklichen Abnehmen dar. Bei der chirurgischen Variante werden zwar Millionen von Fettzellen entfernt, die übrigen behalten jedoch ihr Volumen, während beim Abnehmen die Zahl der Fettzellen konstant bleibt, sich aber ihr Volumen ändert. Das Volumen hat demnach einen beträchtlichen Einfluss auf die metabolische Aktivität der Fettzellen. Zudem betrifft das konservative Abnehmen eben nicht nur das Fett am Bauch, sondern auch das Fett um die inneren Organe.
Eine Forschgruppe rund um Dr. Samuel Klein machte es sich zur Aufgabe, den Zusammenhang zwischen viszeralem Fett und den Entzündungsvorgängen im Körper zu untersuchen. Da sich das viszerale Fett definitionsgemäß um die inneren Organe befindet und nicht isoliert abgebaut werden kann, nahmen die Forscher das Blut aus der Portalvene und verglichen es mit dem Blut der A. radialis. Die Portalvene befördert das Blut aus den Bauchorganen und dem entsprechenden viszeralen Fett, die A. radialis befindet sich an den oberen Extremitäten und durchfließt im Wesenlichen kein Fettgewebe.
Als Probanden wurden 25 stark übergewichtige Probanden (BMI 54.7+/-12.6 kg/m2) verwendet, die sich einer Magenbypassoperation unterzogen. Im Rahmen dieser Operation wurde den Patienten Blut entnommen und folgend auf IL-6, Leptin, TNF-alpha, Resistin, MCP-1 und Adinopectin untersucht.
Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem IL-6 (Interleukin), ein Botenstoff, der wesentlich an der Förderung von Entzündungen beteiligt ist. Und die Forscher landeten einen Volltreffer: Tatsächlich waren Konzentration von IL-6 im Portalvenenblut um ca. 50% höher als im Blut der A. radialis und korrelierten direkt mit den gemessenen CRP-Konzentrationen (C-reaktives Protein, ein äußerst sensibler Entzündungsparameter).
Der Vollständigkeit halber seien hier noch die restlichen Ergbnisse erwähnt:
Die Leptinkonzentration im Blut der Portalvene war 20% geringer als in der Radialarterie, die Konzentrationen von TNF-alpha, Resistin, MCP-1 und Adiponectin waren in beiden Proben gleich.
Die Studie beweist nun erstmals, dass viszerales Fett eine wichtige Bildungsstätte für IL-6 darstellt und somit sehr wahrscheinlich in Zusammenhang mit systemischen Entzündungsvorgängen bei übergewichtigen Personen steht. Diese Entzündungen sind Grundlage einer Reihe von Erkrankungen.
Fontana L, Eagon JC, Trujillo ME, Scherer PE, Klein S. Visceral fat adipokine secretion is associated with systemic inflammation in obese humans. Diabetes. 2007 Feb 7; [Epub ahead of print] [Link]
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Am 17. Februar 2008 um 00:41 Uhr
[…] 16/2 Biedermann und das Fett Kategorie: Allgemein Von ebalance um 22:59Max Frisch hat das Stück vor fünfzig Jahren geschrieben und es handelt vom Herrn Biedermann, der in seinem Hause einigen zwielichtigen Gestalten Unterschlupf gewährt, sich mit ihnen gut zu stellen versucht, obwohl er weiss oder ahnt, dass es sich um Brandstifter handelt, in der Hoffnung, er könnte dadurch einem Anschlag entgehen, was sich aber als Irrtum erweist. An diesen Theaterstoff musste ich denken, als ich im Rahmen des St. Galler Adipiositas-Symposiums dem Vortrag von Dr. med. Stefan Bilz zuhörte. Es ging um die Pathophysiologie der Adipositas und des mtabolischen Syndroms und um die Frage nach dem Einfluss der Genetik und des Lebensstils. Ein wesentlicher Teil des Referates galt dem Bauchfett, auch viszerales Fett genannt, das weit mehr ist als eine sich auf der Waage bemerkbar machende Ansammlung von Zellen, welche eigentlich als Energiereserve für magere Zeiten dienen sollten (wie beim Bär im Winterschlaf), sondern das mittlerweile erkannt ist als quasi ein »Organ« mit eigenen organischen Aktivitäten: das Fett produziert eine Vielzahl von Hormonen, die sich einerseits auf den Stoffwechsel auswirken, die anderseits aber auch begleitende Krankheiten auslösen und beeinflussen können Die Pölsterchen, die sich da so scheinbar harmlos um unsere Innereien schmiegen, entwickeln in aller Heimlichkeit ein Eigenleben, nehmen Besitz von unserem Körper, machen sich bemerkbar auf verschiedene Weise und entpuppen sich als richtige Egoisten, die auf ihr eigenes Wohlergehen, ihren Vorteil bedacht sind und uns auf sanfte Weise dazu bringen, für Nachschub zu sorgen. Dieses Fett stellt den eigentlichen Risikofaktor für die meisten der Begleiterkrankungen dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass man von ihnen betroffen wird und dass sie zum Ausbruch kommen, steigt mit zunehmendem Gewicht bzw. Bauchumfang. Und da sind wir dann in der Lage des guten Gottfried Biedermann: es nützt nichts, wenn wir uns mit unserem Fett arrangieren, wenn wir pfleglich mit ihm umgehen, wenn wir es bei Laune zu halten versuchen… es hat nur diesen einen Instinkt, den die Natur ihm eingegeben hat, und der sich für uns über kurz oder lang schädlich auswirken kann. – Es ist, als würde da in uns eine Fettbombe ticken… harmlos und freundlich gibt sich die Masse zunächst… vielleicht ist der Countdown schon programmiert, wir wissen es nur noch nicht. Und es ist kein James Bond in der Nähe, der mit einer freinen Zange in der vorletzten Sekunde die Drähte am Zündmechanismus durchtrennen könnte und auch noch weiss, ob der rote oder der blaue der richtige ist. Wir sind weitgehend auf uns selber angewiesen, beim Versuch, die Masse in ihre Schranken zu weisen. Und wir wissen zugleich, dass es ein lebenslanger Kampf sein wird, denn das »Fett-Organ« ist hartnäckig, es vergisst nicht und es kennt uns so gut, dass es uns jederzeit wieder austricksen und überlisten kann. In acht von zehn Fällen mit Erfolg. […]