Übergewicht und Schwangerschaft

16. Juli 2007

Übergewicht und Abnehmen in der SchwangerschaftWährend die Gefahren von Rauchen und Alkoholkonsum in der Schwangerschaft den meisten Frauen bekannt sind, scheinen die Auswirkungen von Übergewicht noch nicht ins Gesundheitsbewußtsein der Schwangeren vorgedrungen zu sein. Kein Wunder, denn die öffentliche Aufklärung zu diesem Thema ist bisweilen noch äußerst mangelhaft. Dabei hat Übergewicht während der Schwangerschaft durchaus ernstzunehmende Folgen für Mutter und Kind: Das Risiko für einen Kaiserschnitt steigt, erhöhtes Geburtsgewicht und Übergewicht im Kindesalter sind häufig und die Kinder werden statistisch gesehen seltener mit Muttermilch ernährt.

Über die Hälfte aller übergewichtigen Frauen, die schwanger werden, nehmen während der Schwangerschaft exzessiv Gewicht zu. Von den übergewichtigen Schwangeren gebähren über 50% mittels eines Kaiserschnittes – immerhin im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen fast doppelt so viele.

In Anbetracht dieser Tatsachen entwickelte das amerikanische Institute of Medicine (IOM) Empfehlungen für die erlaubte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft in Abhängigkeit vom BMI (Body Mass Index) vor dem Schwangerwerden:

  • Frauen mit einem BMI < 19,8 (untergewichtig) sollen ca. 13-18 kg zunehmen.
  • Frauen mit einem BMI von 19,8-26 (normalgewichtig) sollen ca. 11-16 kg zunehmen.
  • Frauen mit einem BMI von 26,1-29 (übergewichtig) sollen ca. 7-11 kg zunehmen.
  • Frauen mit einem BMI > 29 (adipös) sollen ca. 7 kg zunehmen.

Eine Forschergruppe interessierte sich dafür, wie die Guidelines der IOM modifiziert werden müssten, um unabhängig vom Ausgangs-BMI der Mütter die Komplikationsrate während der Schwangerschaft und Geburt zu reduzieren. Sie untersuchten dafür die Daten von 7661 Geburten im Zeitraum von 2002 bis 2006.

18% der untersuchten Mütter waren übergewichtig (BMI 25-29,9), 13% waren adipös (BMI ≥ 30) und 16% waren untergewichtig (BMI < 20). Es zeigte sich, dass Übergewicht vor der Schwangerschaft und eine Gewichtszunahme von mehr als 15 kg während der Schwangerschaft unabhängig voneinander das Komplikationsrisiko signifikant ansteigen liesen. Eine Gewichtszunahme von 7-15 kg konnte hingegen nicht mit einem signifikant erhöhten Risiko in Verbindung gebracht werden. D.h. nicht nur die Gewichtszunahme während, sondern auch das Gewicht bzw. der BMI vor der Schwangerschaft spielen eine wesentliche Rolle in der Erhebung des Risikoprofils von Schwangeren.
Die IOM spricht sich in ihren Empfehlungen stark für eine umfassende Aufklärung der Frauen über die Auswirkungen des BMI auf die Schwangerschaft aus. In Anbetracht der oben genannten Studienergebnisse bekommt dieser Aufruf erneute Brisanz und sollte unbedingt forciert werden.

Dandolu und seine Mitarbeiter ergänzten in ihrer Arbeit die Empfehlungen der IOM vor allem in Hinblick auf das Gewicht der Frauen vor der Schwangerschaft. Sie sprachen folgende Ratschläge aus:

  • Der BMI sollte in jährlichen Routineuntersuchungen bei allen Frauen im gebährfähigen Alter erhoben erhoben und die Frauen entsprechend beraten werden.
  • Es sollte forcierte öffentliche Aufklärung über die Risikofaktoren bei Schwangerschaften betrieben werden, insbesondere bezüglich Gewicht und BMI.
  • Übergewichtige Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten motiviert werden, Gewicht abzunehmen und einen BMI im optimalen Bereich zu erlangen.
  • Frauen sollten über die Vorteile von Muttermilch aufgeklärt werden. Neben vielen postitiven Auswirkungen auf das Kind erreichen stillende Frauen beispielsweise durch den erhöhten Kalorienverbrauch ihr Ausgangsgewicht schneller zurück.

Jain NJ, Denk CE, Kruse LK, Dandolu V. Maternal obesity: can pregnancy weight gain modify risk of selected adverse pregnancy outcomes? Am J Perinatol. 2007 May;24(5):291-8. Epub 2007 May 18.

Weiterführende Literatur: Meine Schwangerschaft Woche für Woche. Medizinischer Hintergrund und praktischer Rat

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