Übergewicht macht Frauen unfruchtbar
24. August 2007
Es ist schon länger bekannt, dass Übergewicht zu Unfruchtbarkeit führen kann. Wie enutrio.de bereits berichtete (siehe hier), sind von dieser Tatsache sowohl Männer als auch Frauen betroffen. Die meisten Studien zu diesem Thema waren jedoch epidemiologischer Natur, d.h. es wurde ein Bevölkerungskollektiv beobachtet und ein Zusammenhang zwischen gewissen Merkmalen (Übergewicht) und Eigenschaften (Unfruchtbarkeit/Infertilität) hergestellt. Ein aktueller Report konnte nun die genau Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen mit Übergewicht eruieren und sogar einen Weg finden, diese Effekte wieder rückgängig zu machen.
Für die am Reproduktionszentrum der Universtität Adeliade durchgeführte Studie wurden weibliche Ratten mit einer fettreichen Diät gefüttert und damit in einen prädiabetischen Stoffwechselzustand maneuvriert. Die noch unreifen Eier dieser Ratten wurden daraufhin entnommen und im Reagenzglas weitergezüchtet.
Es zeigte sich, dass die Eizellen durch das Fett und Cholesterin geschädigt waren, da sie sich nicht mehr adäquat weiterentwickelten. Sie wuchsen und teilten sich wesentlich langsamer als die Eizellen gesunder Artgenossen. Ursächlich dafür war die Unterdrückung eines Proteins in der Hülle der Eizellen, das für die Reifung der Eier zuständig ist.
Die Fruchtbarkeit der übergewichtigen Mäuse konnte jedoch durch die Verabreichung eines Diabeteswirkstoffes namens Rosiglitazon (Markenname: Avandia) wiederhergestellt werden. Rosiglitazon aktivierte das betroffene Protein wieder, die Eier entwickelten sich daraufhin weitgehend normal weiter.
Gemäß der Studienautorin C. Minge sei die Wirkung von Rosiglitazon zwar höchst interessant für die Erforschung der Reifung von Eizellen im Ovar (Eierstock), stelle jedoch wegen der Nebenwirkungen keine Lösung für die Unfruchtbarkeitsproblematik bei Frauen mit Übergewicht dar. Der effektivste Weg, die Fruchtbarkeit wiederherzustellen, sei eine Gewichtsabnahme. Schon 5-10 kg Gewichtsverlust könnten genug sein, um den Eisprung wieder in normale Bahnen zu lenken.
Übergewicht scheint nicht nur Schwangerschaften zu verhindern, sondern auch negative Effekte auf das Ungeborene während der Schwangerschaft auszuüben (näheres zu diesem Thema hier). Die Rolle der Ernährung für Frauen im gebährfähigen Alter gewinnt dadurch immer mehr Bedeutung und sollte zunehmend Einzug in ärztliche Beratungsgespräche vor geplanten Schwangerschaften finden.
Minge C. Body weight and infertility linked. Report in The Age. August 2007
Linne Y. Effects of obesity on women’s reproduction and complications during pregnancy. Obes Rev. 2004 Aug;5(3):137-43. Review.
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Am 24. August 2007 um 17:44 Uhr
Das finde ich vor allem unter evolutionären Gesichtspunkten interessant. Offensichtlich haben Frauen (und, laut dem anderen Artikel, Männer) mit Übergewicht also schlechtere Reproduktionschancen als Normalgewichtige, was erst einmal meinem intuitiven Verständnis widerspricht. Wer die genetisch besseren Anlagen zur Fettspeicherung für Notzeiten hat, sollte eigentlich bevorzugt werden.
Das lässt für mich nur zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder, es gab in der Menschheitsgeschichte (bzw. hier: Rattengeschichte) nie längere Zeiten des Überflusses (so dass diese genetische Schwäche der Eizellen nicht zum Zug kam), oder die Natur selektiert hier tatsächlich aus und erzeugt bevorzugt Normalgewicht-Anlagen.
Es wäre bei Selektionsdruck theoretisch ja für die Evolution kein Problem gewesen, ein Gen herzustellen, das bei Übergewicht einen Stoff ausschüttet, der das fragliche Protein aktiv und die Dicken damit fruchtbar hält, oder sogar ihre Fruchtbarkeit steigert.
Am 24. August 2007 um 21:02 Uhr
Die Sicherheitsabfrage scheint nicht mehr ganz so sicher zu sein. ;)
Am 25. August 2007 um 14:50 Uhr
Ehrlich gesagt bin ich bei Experimenten an Ratten, die man eins zu eins auf den Menschen zu übertragen versucht, immer sehr skeptisch.