Schlüsselgen (FTO) für Übergewicht entdeckt
14. April 2007
Die Menschen essen immer mehr und das durchschnittliche Körpergewicht unterliegt einem regen Anstieg, dennoch gibt es innerhalb der Bevölkerung scheinbar Personen, die mehr – oder leichter – zunehmen als andere. Eine Studie aus England bringt bezüglich dieser Frage aufgrund ihrer aktuellen Forschungsergebnisse eine klare genetische Komponente mit ins Spiel. Die Wissenschaftler haben die bisweilen eindeutigste genetische Verbindung zu Übergewicht entdeckt und ihre Ergebnisse im renommierten Journal Science veröffentlicht.
Übergewicht ist ein Hauptrisikofaktor für Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Gefäßverkalkung, Herzinfarkt oder Hirninfarkt. Quantifiziert wird Übergewicht meist über den BMI (Body Mass Index) – mittlerweile nicht mehr ganz unumstritten. Als Resultat verminderter Bewegung und gesteigerter Energiezufuhr stieg die Prävalenz von Übergewicht in den letzten Jahren weltweit kontinuierlich an. Laut der 2001 begonnenen Studie Health Survey for England sind beispielsweise mehr als 20% der männlichen und weiblichen Engländer im Alter von 16 Jahren massiv adipös, die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen sind übergewichtig. Diese erschreckenden Zahlen rechtfertigen die aktuell betriebene, intensive Ursachenforschung auch auf molekularer Ebene, wenngleich an erster Stelle natürlich die offensichtlichen Ursachen (Energiezufuhr, Bewegungsmangel) bekämpft werden müssen.
Wissenschaftler der Universität Oxford identifizierten nun erstmal das Gen FTO als ein wesentliches genetisches Bindeglied in der Entstehung von Übergewicht. Dazu wurde das Genom von 2000 Probanden mit Typ 2 Diabetes mellitus und 3000 Kontrollen untersucht. Die Studie war Teil des Wellcome Trust Case Control Consortium, einem der grössten jemals begonnenen Projekte zur Identifizierung von genetischen Ursachen für sog. »Volkskrankheiten«. Es ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Auftreten von FTO im menschlichen Genom und einem erhöhten BMI. Nachdem die Forscher FTO identifiziert hatten, untersuchten sie weitere 37000 Blutproben auf diese genetische Variation.
Im menschlichen Erbgut sind alle Gene doppelt vorhanden. Es zeigte sich in der Studie, dass Personen, die nur eine Kopie des FTO Gens besitzen, ein 30% höheres Risiko für die Entwicklung von Übergewicht aufwiesen. Bei Personen mit zwei FTO-Kopien stieg das Risiko sogar auf 70% an. Laut den Autoren besitzt ca. ein Sechstel der europäischen Bevölkerung zwei FTO-Kopien in ihrem Erbgut!
Doch das FTO-Gen wurde nicht neu entdeckt, neu ist einzig der signifikante Zusammenhang mit der Entwicklung von Übergewicht. Entdeckt wurde FTO nämlich erstmals in Studien zur Erforschung der molekularen und zellulären Ursachen von Diabetes mellitus Typ 2, wobei Übergewicht natürlich einen wesentlichen Risikofaktor für Diabetes darstellt und somit der Zusammenhang auf der Hand liegt. Menschen mit einem FTO-Gen besitzen ein 25% höheres Risiko an Diabetes zu erkranken, sind zwei Kopien vorhanden steigt das Risiko auf 50%.
Die alles entscheidende Frage, nämlich was FTO bewirkt um die Übergewichtsrate dermaßen ansteigen zu lassen, konnte von den durchführenden Forschern leider nicht beantwortet werden. Fakt ist und bleibt: Wer weniger ißt als er braucht und sich mehr bewegt als er muss, nimmt ab, Genetik hin oder her.
Frayling TM, Timpson NJ, Weedon MN, Zeggini E, Freathy RM, Lindgren CM, John RB et al. Perry A Common Variant in the FTO Gene Is Associated with Body Mass Index and Predisposes to Childhood and Adult Obesity. Published Online April 12, 2007. Science DOI: 10.1126/science.1141634 [Link]
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