Rauchen macht impotent
15. August 2007
Rauchen und dessen Auswirkungen stellen eine enorme finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem dar. Aus diesem Grund wurden weltweit Programme gestartet, um das Rauchen einzuschränken. Neben der Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens ist Abschreckung eine beliebte, aber zweifelhaft erfolgreiche Strategie in der Bekämpfung der Nikotinsucht. So werden Bilder von Lungentumoren auf Zigarettenpackungen abgelichtet, Raucher zur Konfrontation in Krankenhäuser geschleppt und mit warnenden Sprüchen an das Gewissen der Betroffenen appelliert. Leider sind solche Maßnahmen oft nur von kurzer Dauer.
Da die Folgen des Rauchens erst nach Jahren und Jahrzehnten sichtbar werden, erkennen Nikotinabhängige die mittelfristige Gefahr meist nicht. Auch können sie mit Krankheiten wie Gefäßverkalkung, Bluthochdruck oder Herzinfarkt – vor allem in jungen Jahren – nur wenig anfangen, sie sind in diesem Alter einfach zu abstrakt. Doch neben diesen Spätfolgen kann das Rauchen einen äußerst sensiblen Punkt beeinträchtigen – die männliche Potenz. Eine gestörte Potenz ist im Gegensatz zu den meisten anderen Folgen des Rauchens zwar nicht lebensgefährlich, stellt jedoch einen massiven Einschnitt in die Lebensqualität dar.
Was Harald Schmidt einst humoristisch mit dem Spruch »Bei Erektion denke ich immer an Ikea-Regale – hoffentlich hälts fünf Minuten« umschrieb, könnte für viele Raucher zur unschönen Realität werden. Denn eine Reihe von epidemiologischen Studie konnte eindeutig feststellen, dass Nikotinsucht das Risiko einer Impotenz (erektile Dysfunktion) erheblich zu steigern vermag.
Die aktuellste Studie zu diesem Thema wurde in China durchgeführt. Dazu wurden 7684 Männer ohne bekannte Gefäßkrankheiten im Alter zwischen 35 und 74 Jahren anonym zu ihren Rauchgewohnheiten und ihrer Potenz befragt. Die Studie fand einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für erektile Dysfunktion. Bei täglich 1-10 Zigaretten pro Tag stieg die Chance, an Impotenz zu erkranken, um 27%, bei 11-20 Zigaretten um 45% und bei mehr als 20 Zigaretten um 65% im Vergleich zu Nichtrauchern. Bei Probanden mit Diabetes mellitus war der Zusammenhang noch ausgeprägter [1].
Eine australische Studie aus dem Jahr 2006 kam zu ähnlichen Ergebnissen. Es wurden 8367 Männer im Alter zwischen 16-59 Jahren untersucht. Im Vergleich zu Nichtrauchern stieg die Wahrscheinlichkeit einer erektilen Dysfunktion um 24% bei ≤ 20 Zigaretten pro Tag und um 39% bei mehr als 20 Zigaretten täglich [2].
Auch aus Amerika liegen Zahlen zu dieser Thematik vor. Die Studie an 2115 kaukasischen (=weißen) Männern ging dabei näher auf das eigentliche Rauchverhalten und Alter ein. Von den 1329 Männern mit einem weiblichen Partner waren 173 Raucher, 836 waren Ex-Raucher und 203 berichteten über erektile Dysfunktion. Im Vergleich zu Ex- und Nicht-Rauchern wiesen aktive Raucher in den Vierzigern eine 2,74x größere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Impotenz auf, in den Fünfzigern war sie 38% höher und in den Sechzigern 70%. Männer, die im Laufe ihres Lebens einmal Raucher waren, hatten ein um 42% gesteigeres Risiko. Ähnlich wie bei den anderen Studien konnte auch in dieser eine Dosisabhängigkeit festgestellt werden [3].
Selbst die heißblütigen Italiener werden durch Zigarettenkonsum ihrer Manneskraft beraubt. Das stellte zumindest eine Studie an 2010 südländischen Männern fest. Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit für eine erektile Dysfunkion um 70% bei Rauchern und um 60% bei ehemaligen Rauchern erhöht war [4].
Doch nicht nur die Potenz, sondern auch die Qualität der Spermien leidet unter der Nikotinsucht. Mehrere Studien zu diesem Thema haben erschreckende Tatsachen aufgezeigt. So konnte beispielsweise in einer Untersuchung an 1786 rauchenden und nicht-rauchenden Männern mit unerfülltem Kinderwunsch festgestellt werden, dass Nikotinkonsum mit einer 15,3% geringeren Spermiendichte, 17,5% weniger Spermien und 16.6% weniger beweglichen Spermien assoziiert war. Daneben war die Zahl der Spermien mit normaler Form signifikant reduziert. Faktoren wie Vitalität der Spermien und Volumen des Ejakulats waren nur leicht beeinträchtigt [5].
Wohin man auch blickt, es konnte über die Kontinente dieser Welt hinweg ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Rauchen und einer gestörten männlichen Potenz hergestellt werden. Wer nicht auf diverse Hilfsmittel oder Medikamente wie Viagra, Cialis oder Levitra angewiesen sein will, sollte demnach schleunigst mit dem Rauchen aufhören. Da die eigene Eitelkeit gegenüber dem Gesundheitsbewußsein scheinbar einen höheren Stellenwert einnimmt, könnte neben Impotenz und Infertilität auch der nachgewiesene Muskelabbau bei Rauchern als ausschlaggebender Faktor zum Aufhören dienen (siehe: Rauchen hemmt den Muskelaufbau).
- He J, Reynolds K, Chen J, Chen CS, Wu X, Duan X, Reynolds R, Bazzano LA, Whelton PK, Gu D. Cigarette Smoking and Erectile Dysfunction among Chinese Men without Clinical Vascular Disease. Am J Epidemiol. 2007 Jul 10; [Epub ahead of print]
- Millett C, Wen LM, Rissel C, Smith A, Richters J, Grulich A, de Visser R. Smoking and erectile dysfunction: findings from a representative sample of Australian men. Tob Control. 2006 Apr;15(2):136-9.
- Gades NM, Nehra A, Jacobson DJ, McGree ME, Girman CJ, Rhodes T, Roberts RO, Lieber MM, Jacobsen SJ. Association between smoking and erectile dysfunction: a population-based study. Am J Epidemiol. 2005 Feb 15;161(4):346-51.
- Mirone V, Imbimbo C, Bortolotti A, Di Cintio E, Colli E, Landoni M, Lavezzari M, Parazzini F. Cigarette smoking as risk factor for erectile dysfunction: results from an Italian epidemiological study. Eur Urol. 2002 Mar;41(3):294-7.
- Kunzle R, Mueller MD, Hanggi W, Birkhauser MH, Drescher H, Bersinger NA. Semen quality of male smokers and nonsmokers in infertile couples. Fertil Steril. 2003 Feb;79(2):287-91.
Am 15. August 2007 um 12:53 Uhr
Ich als Raucher (ca. 12-14 täglich) verpüre gar keine Nikotinabhängigkeit, dennoch bin ich süchtig. Das liegt vielmehr an einer Konditionierung des Verhaltens, da man mit dem Rauchen bestimmte Denkmuster assoziert, die bei der ersten Zigarette noch gar nicht zustande kommen. Rauchen ist für mich das beste Beispiel der Selbstbeeinflussung. Am Anfang sträubt sich der Körper noch massiv dagegen, jedoch wird diese Schwelle mental immer weiter abgebaut, bis man es schließlich mit Genuss verbindet. Das ist in meinem Fall der Suchtfaktor, vom Nikotin merke ich gar nichts.
Ich kann ohne eine Zigarette nicht abschalten, Abschalten fällt mir generell äußerst schwer. Ich leide auch unter Schlafstörungen. In diesen 6min, so lange brauche ich für eine Zigarette, kehrt Ruhe in meinen Kopf ein, in dem sonst immer höchste Aktivität herrscht.
Am 25. Juni 2008 um 16:05 Uhr
Wann wird das totale Rauchverbot der EU endlich beschlossen?
Am 19. Juni 2010 um 18:14 Uhr
Wunderbar fundierter Artikel zum Rauchen und Impotenz, besten Dank!
Das Problem an der Sache ist leider oft, dass sich Süchtige halt sagen »Mich trifft es sowieso nicht!«. Von daher werden diese Studien zu den Gefahren des Rauchens nicht als Grund zum Aufhören verstanden sondern im Gegenteil: Raucher sehen darin noch eine Herausforderung in der sie sich beweise wollen, dass ihnen nichts passieren kann.
Ich bin jedenfalls froh, dass ich aus dieser Todesfalle ausgebrochen bin !