Omega-3 Fettsäuren verlangsamen möglicherweise das Wachstum von Prostatakrebs
22. Juni 2007
Das Prostatakarzinom gehört zu den häufigsten Krebsarten der Industriestaaten. In Deutschland steht dieser Tumor an zweiter Stelle in der Rangliste der krebsbedingten Todesfälle. Diese Statisik sähe wohl noch furchterregender aus, wenn nicht ein Großteil der von Prostatakrebs betroffenen Männer zuvor einer anderen Todesursache erliegen würden. Aus Obduktionen weiß man, dass bis zu 80% der über 70jährigen Männer ein Prostatakarzinom hatten, ohne daran verstorben zu sein. Die genaue Ursache für diese Krankheit ist noch unbekannt. Man geht jedoch von einer gewissen genetischen Veranlagung, hormonellen Faktoren und einer Reihe weiterer Risikofaktoren aus. Große epidemiologische Studien konnten auch einen Einfluss der Ernährung, insbesondere des Fettgehalts, festststellen. Eine Forschergruppe interessierte sich nun für die Rolle der Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren bei der Entstehung von Prostatakrebs.
Omega-3 Fettsäuren (EPA, DHA) kommen vorwiegend in Fisch und Fischöl-Kapseln vor, während man Omega-6 Fettsäuren vor allem in Pflanzenölen findet. Neben der absoluten Menge der Öle spielt auch ihr Verhältnis zueinander eine wichtige Rolle. In Europa ist das Verhältnis ungünstigerweise stark in Richtung der Omega-6 Fettsäuren verschoben. Gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wäre jedoch ein Verhältnis von mindestens 5:1 (Omega-6 zu Omega-3) empfohlen.
Es gibt bereits Studien, die Omega-3 Fettsäuren eine risikoreduzierende Wirkung auf Prostatakrebs bescheinigen. Das Problem bei diesen Untersuchungen war bisher jedoch die schwierige bzw. unzulängliche – weil nicht überprüfbare – Protokollierung der Ernährung der Studienteilnehmer. Aus diesem Grund examinierten Dr. Isabell Berquin und ihre Mitarbeiter die Wirkung von Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren an Mäusen.
Die Mäuse wiesen dabei allesamt einen genetischen Defekt auf, der zur Entwicklung von Prostatakrebs führte. Durch diesen Gendefekt fehlte den Mäusen ein sogenanntes Tumorsuppressorgen namens Pten, das normalerweise auch bei Menschen vorhanden ist. Fehlt dieses Gen beim Menschen, erkranken 60-70% der Betroffenen an einem Prostatakarzinom. Insofern scheint eine Übertragbarkeit der Ergebnisse von Mäusen auf Menschen gewährleistet zu sein.
Die gentechnisch veränderten Mäuse und eine Kontrollgruppe von gesunden Mäusen wurden ab der Geburt mit Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren in unterschiedlichen Mengenverhältnissen gefüttert. Eine Gruppe bekam gleich viel Omega-3 wie Omega-6 Fettsäuren (Gruppe A), die zweite Gruppe bekam Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren im Verhältnis 20:1 (Gruppe B) und der dritten Gruppe wurden die Fettsäuren im Verhältnis 40:1 (Gruppe C) verabreicht.
Unabhängig von der Ernährung entwickelte keine Maus der Kontrollgruppe Prostatakrebs. Von den gentechnisch veränderten Mäusen überlebten 60% der Gruppe A, 10% der Gruppe B und 0% der Gruppe C.
Was heißt das also? Hat man »gute« Gene, spielt die Ernährung keine große Rolle in der Entwicklung von Prostatakrebs. Gehört man jedoch zu einer genetischen Risikogruppe, kann die Ernährung großen Einfluss ausüben. Omega-3 Fettsäuren aus Fisch, Fischölkapseln oder beispielsweise auch Krill Öl erhöhen die Überlebensrate bei Prostatakrebs, indem sie das Wachstum der Tumorzellen verlangsamen bzw. hemmen. Omega-6 Fettsäuren zeigen gegenteilige Effekte und sollten möglichst gemieden werden.
Um ihre These zu bestätigen, wurde in die Mäuse ein zusätzliches Gen eingebracht, welches es ermöglichte, Omega-6 in Omega-3 Fettsäuren umzubauen. Dadurch glich sich die Überlebensrate der mit Omega-6 gefütterten Mäuse (Gruppe C) der Gruppe mit hohem Omega-3 Anteil an.
Gemäß den Autoren der Studie könne durch die Applikation von Omega-3 Fettsäuren an ältere Männer das Fortschreiten von Prostatakrebs möglicherweise bis zum natürlichen Tod hin verlängert werden. Oft scheitere dies jedoch an der mangelnden Mitarbeit der Patienten.
Berquin IM, Min Y, Wu R, Wu J, Perry D, Cline JM, Thomas MJ, Thornburg T, Kulik G, Smith A, Edwards IJ, D’Agostino R, Zhang H, Wu H. Modulation of prostate cancer genetic risk by omega-3 and Omega-6 fatty acids. Journal of Clinical Investigation. Published Online June 21, 2007.
Weiterführende Literatur: DK Praxis: Prostatabeschwerden. (DK Praxis)
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