Meta-Studie zweifelt Wirkung von Antioxidantien an
05. März 2007
Während Antioxidantien wie Vitamin A, E, C, Beta-Carotin oder Selen weithin als gesundheitsförderlich bei bestimmen Krebsarten oder Herz- Kreislauferkrankungen galten, kam eine aktuelle Meta-Studie zu einem gegenteiligen Ergebnis. Die im Journal of American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Studie brachte einige Überraschungen zutage, musste sich gleichzeitig aber auch harscher Kritik aussetzen.
Von derzeit 815 exisistierenden Studien zu Antioxidantion wurden 68 in die Analyse aufgenommen. Verglichen wurde die Sterblichkeitsrate von Probanden, die Antioxidantien alleine oder in Kombination mit anderen Antioxidantien, Placebos oder keinerlei Supplemente einnahmen. Untersucht wurde hinsichtlich Vitamin A, E, C, beta-Carotin und Selen.
Die Forscher fanden heraus, dass es bei Berücksichtigung von hoch- und mäßig qualitativen Studien zu keinem Unterschied in der Sterblichkeitsrate bei Einnahme eines der genannten Supplemente kam. Wurden jedoch nur die qualitativ hochwertigen Studien miteinbezogen, von denen die Autoren 47 fanden, erhöhte sich die Sterblichkeitsrate bei Einnahme von Antioxidantien im Schnitt um statistisch signifikante 5% (Beta-Carotin um 7%, Vitamin A um 16%, Vitamin E um 4%, Selen und Vitamin C zeigten keine Erhöhung des Risikos).
Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass durch die Elimination der freien Radikale durch die Antioxidantien möglicherweise die natürlichen Abwehmechanismen geschwächt würden und dies zu einer Erhöhung der Sterblichkeitsrate führen könnte.
Das Ergebnis dieser Meta-Studie wurde von internationalen Fachkreisen heftig kritisiert. Vor allem die Studienauswahl bzw. die angewandten Vergleichskriterien fanden regen Widerstand. So wurden die unterschiedlichsten Personen miteinbezogen: Gesunde, Raucher, Alte und Patienten mit Herzerkrankungen oder Krebs. Auch die Dosierungen der Antioxidantien variierten innerhalb eines sehr breiten Spektrums, beispielsweise ging die Dosierung von Vitamin A von 1,33 IU (Internationale Einheiten) bis 200 000 IU täglich. Ebenso die Dauer der Anwendungen und die Kombinationen der Antioxidantien waren sehr unterschiedlich und kaum vergleichbar.
Zudem wurden zwei sehr groß angelegte Studien aus dem Journal of the National Cancer Institute und dem prominenten Lancet nicht in die hochqualitative Studiengruppe mitaufgenommen. Beide Studien kamen zu einem positiven Ergebnis bezüglich der Wirkung von Antioxidantien. »Hätte man sie berücksichtigt, wäre auch das Ergebnis der Meta-Studie nicht mehr signifikant gewesen (außer bei Beta-Carotin)« so meinte sinngemäß Prof. Dr. Frei, anerkanner Forscher auf besagtem Gebiet.
Um auf Nummer sicher zu gehen wird empfohlen, statt diverser Supplemente ausreichend antioxidative Kapazität aus der normalen Ernährung (z.B. Obst und Gemüse) zu holen. Damit minimiere man das Risiko einer Überdosierung.
Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C. Mortality in randomized trials of antioxidant supplements for primary and secondary prevention: systematic review and meta-analysis. JAMA. 2007 Feb 28;297(8):842-57.[Link]
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