Lebensmittelzusätze fördern Hyperaktivität (ADHS) von Kindern

12. September 2007

Farbstoffe fördern hyperaktives Syndrom bei Kindern (ADHS bzw. ADS)Konservierungsmittel und Lebensmittelfarbstoffe stehen schon geraume Zeit unter Verdacht, eine Rolle bei der Entstehung des Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) zu spielen. Kinder mit ADHS zeichnen sich durch ständigen Bewegungsdrang, Wutausbrüche, vermehrte Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten aus. Schätzungen gehen davon aus, dass 3-5% aller Schulkinder vom Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) bzw. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) betroffen sind. Im renommierten Journal The Lancet wurde nun eine wegweisende Studie zu diesem Thema veröffentlicht.

Ein Forscherteam der Universtität Southampton untersuchte 153 3-jährige und 144 8-jährige Schulkinder ohne bekannte Lebensmittelallergien oder Verhaltensauffälligkeiten aus der normalen Bevölkerung Großbritanniens. Die Familien der Kinder wurden zunächst angehalten, die Ernährung ihrer Sprößlinge frei von den in der Studie untersuchten Zusatzstoffen zu halten. Daraufin wurde den Kindern über einen Zeitraum von sechs Wochen jeweils eine von zwei Mischungen mit verschiedenen Konservierungsmitteln und Lebensmittelfarbstoffen (AFCA, Artificial food colours and other food additives) verabreicht. Als Kontrolle wurde ein Fruchtsaft verwendet, der sich geschmacklich und optisch von den anderen Mixturen nicht unterschied.

Die Kinder erhielten in der Studie laut FSA (Food Standards Agency) eine Mixtur (A) aus Gelborange (E110), Carmoisin (Azorubin, E122), Tartrazin (E102) und Cochenillerot A (Ponceau 4R, E124). Die zweite Mixtur (B) enthielt neben E110 und E122 noch Chinolingelb (E104) und Allurarot AC (E129).

Die Dosierung der Zusatzstoffe wurde bei den 3-Jährigen so gewählt, dass sie dem Anteil von zwei Tüten Süßigkeiten mit je 56 Gramm entsprach. Bei den 8- bis 9-Jährigen enthielt eine Mixtur (A) den äquivalenten Anteil an Farbstoffen von zwei Tüten, die andere Mixtur (B) von vier Tüten Süßigkeiten.

In den darauffolgenden Wochen wurden die Kinder von Eltern, Lehrern und einem Beobachter im Klassenzimmer hinsichtlich ihres Verhaltens observiert. Zusätzlich mussten die älteren Kinder einen computerbasierten Test zur Überprüfung ihrer Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit absolvieren. In der doppelt verblindeten, randomisierten Studie wußten weder Eltern, Kinder, Lehrer noch Beobachter, welches Getränk die Kinder bekamen.

Kinder, die Mixturen aus Konservierungs- und  Farbstoffe zu trinken bekamen, neigten signifikant mehr zur Hyperaktivität als die Kontrollgruppe. Die Resultate in der Gruppe mit Mixtur A war eindeutiger als in Gruppe B, da in letzterer die Ergebnisse stark streuten. Bezog man allerdings nur diejenigen Kinder in die Auswertung mit ein, die mindestens 85% der Getränke konsumierten, war auch hier eine signifikante Steigerung erkennbar. Damit scheint endgültig bewiesen worden zu sein, dass die künstliche Lebensmittelzusätze das Verhalten von Kindern nachteilig beeinflussen können.

Dennoch äußern sich die Autoren der Studie eher zurückhaltend in der therapeutischen Anwendung der Ergebnisse: 

»However parents should not think that simply taking these additives out of food will prevent all hyperactive disorders. We know that many other influences are at work but this at least is one a child can avoid.«

Demnach könne man keinesfalls davon ausgehen, dass ein simples Weglassen der entsprechenden Zusatzstoffe sämtliche hyperaktive Verhaltensstörungen beseitigen würde. Dem Hyperaktivitätssyndrom läge meist ein multifaktorielles Geschehen zugrunde, das sich nicht durch Ausschaltung eines dieser Faktoren beseitigen liese.

Die Food Standards Agency (FSA) Behörde rät betroffenen Eltern dennoch, entsprechende Nahrungsmittel versuchsweise zu meiden. Vor allem Süßigkeiten enthalten einen hohen Anteil an Lebensmittelfarbstoffen und Konservierungsmitteln. An eine Reglementierung dieser Zusätze wird derzeit allerdings noch nicht gedacht.

McCann D, Barrett A, Cooper A, Crumpler D, Dalen L, Grimshaw K, Kitchin E, Lok K et. al. Food additives and hyperactive behaviour in 3 and 8/9 year old children in the community: a randomised, double-blinded, placebo-controlled trial. The Lancet. Online publication 06-09-2007 doi: 10.1016/S0140-6736(07)61306-3

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