Ketogene Diät – Studie findet neuen Regulator im Fettmetabolismus
06. Juni 2007
Diäten mit geringem Kohlenhydratanteil (low carb) und hohem Fettanteil (ketogene Diät, Atkins Diät) haben in der Vergangenheit nachhaltig bewiesen, dass sie effizienten Gewichtsverlust zur Folge haben können. Durch das drastische Absinken des Blutzuckerspiegels ist der Körper bei dieser Ernährungsform gezwungen, auf andere Energieformen zurückzugreifen. Dafür werden in der Leber Ketonkörper aus den zuvor abgebauten Fettsäuren synthetisiert. Diese Ketone fungieren in weitere Folge als Hauptenergiequelle des menschlichen Organismus. Man nennt den dabei vorherrschenden Stoffwechselzustand Ketose. Er ähnelt Perioden starken Hungerns oder Fastenzeiten. Forscher des Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) haben nun einen Haupmechanismus hinter dem Funktionieren der ketogenen Diät gefunden – FGF21 (Fibroblast Grwoth Factor 21).
In den letzten Jahren hat des Forschungszentrum zahlreiche Studien an Tieren mit unterschiedlichsten Arten von Diäten veröffentlicht. Auch wenn die Versuchsmäuse die exakt gleiche Menge an Kalorien zu essen bekamen, nahmen die Tiere je nach Zusammensetzung der Makronährstoffe (Fett, Protein, Kohlenhydrate) unterschiedlich zu bzw. ab. Diese Differenzen erklärten sich die Wissenschaftler mit unterschiedlichen Stoffwechselraten und hormonellen Änderungen durch die jeweilige Ernährungsform.
In einer Untersuchung an Mäusen mit ketogener Ernährung machten die Forscher jedoch eine weitere interessante Beobachtung: Trotz dem hohen Fettanteil in der Nahrunsgmittelzusammensetzung wiesen die Tiere gänzlich normale Bluttfettwerte auf. Die konsumierten Kalorien wurden offensichtlich in der Leber verbrannt und nicht als Fett gespeichert. Was war die Ursache dafür? Es konnten keine der typischen hormonellen Änderungen ausgemacht werden. Deshalb machten sich die Forscher daran, das Erbgut der Mäuse nach Auffälligkeiten zu untersuchen. Ihr Hauptaugenmerk setzten sie vor allem auf Enzyme und Hormone der Leber.
Ihre Beharrlichkeit machte sich bezahlt: In den ketogen ernährten Mäusen zeigte sich ein signifikant erhöhter Wert von FGF21, eine leberspezifische Subklasse des Fibroblast Growth Factor (FGF). FGF21 wurde erst unlängst als potentieller Stoffwechselregulator identifiziert. Dabei entwickelten genetisch veränderte Mäuse mit einer Überproduktion von FGF21 Resistenz gegen die Entstehung von Übergewicht, kleinere Fettzellen und mehr braunes Fettgewebe. Bis jetzt war jedoch kaum bekannt, wie FGF21 diese Effekte bewerkstelligen konnte.
Die Wirkung von FGF21 beruht laut der Leiterin der Studie, Dr. Eleftheria Maratos-Flier, auf einer Regulierung der Fettsäureoxidation. Durch die Steigerung der Fettsäureoxidation käme es zu einem erhöhten Verbrauch von Kalorien. Im Umkehrschluss sollte es durch Blockierung von FGF21 zu einer massiven Gewichtszunahme und Verschlechterung des Blutfettprofils kommen – und genau das passierte auch bei den anschliessend durchführten Untersuchungen.
Diese Entdeckungen sind noch nicht der Weisheit letzter Schluss in der Aufklärung des Wirkmechanismus der ketogenen Diät. FGF21 könnte jedoch ein möglicher Mechanismus hinter dieser Ernährungsform sein. Laut Dr. Maratos-Flier gehören Diäten mit reduziertem Kohlenhydratanteil, ohne Transfette, dafür aber einem hohen Anteil von Ballaststoffen und sog. guten Fetten (=ungesättigte Fettsäuren) zu den gesündesten Ernährungsformen. Insbesondere gelte dies für Personen mit einer gewissen Prädisposition für die Entwicklung von Diabetes mellitus.
Quelle: Preview im Journal Cell Metabolism und News-Release des Beth Israel Deaconess Medical Center
Weiterführende Literatur: Wir haben das Fettsein dicke! Die Wahrheit über ketogene Ernährung, Atkins-Diät, Low-Carb und Ketarier
Warum Low-carb Diäten funktionieren
Neue Erkenntnisse über den Ursprung von braunem und weißem Fettgewebe
Warum der Eine zunimmt und der Andere nicht
Führerscheinentzug durch ketogene Diät?
Am 19. Januar 2008 um 01:34 Uhr
Zitat:«Diese Ketone fungieren in weitere Folge als Hauptenergiequelle des menschlichen Organismus.«
Das stimmt so nicht: Ketone sind ein Abfallprodukt der unvollständigen Fettverbrennung und stehen jenen Organen wie Blut oder Gehirn, welche mangels Vorhandensein von Mitochondrien (Zellkraftwerken), auf Kohlehydrate (Glucose) angwiesen sind alternativ zur Verfügung. Allen anderen Zellen ist es eigentlich egal was dort ankommt ob Fettsäuren, Eiweiß oder Kohlehydrate die Mitochondrien wandeln alles in ATP um und das ist letztendlich der Stoff aus dem die Leistung kommt.
Am 2. Mai 2008 um 23:10 Uhr
Für mich gibt es nur gesunde Ernährung und Sport. Alles andere ist mir zu kompliziert.