Kakao-Flavonoid Epicatechin mit selbem Stellenwert wie die Entdeckung von Penicillin

15. März 2007

Kakao Flavanol Epicatechin Flavonoide Hoch hinaus will Norman Hollenberg mit seiner jüngsten Studie rund um die Kakaobohne und ihren Flavonoiden. Der Professor aus Harvard beschäftigt sich seit Jahren mit den bitteren Bohnen, deren Endprodukt umso süßer schmeckt. Seine gesammelten Erkenntnisse wurden nun in einem Report der Society of Chemical Industry auf denselben Stellenwert gehoben wie die Entdeckung des Penicillins oder der Anästhesie, den Meilensteinen der Medizin schlechthin. Epicatechin heißt der begehrte Stoff des Kakaos, ein Flavanol aus der Gruppe der Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe).

Hollenberg fand in seiner Studie heraus, dass Epicatechin 4 der 5 häufigsten Krankheiten der westlichen Welt (Hirnschlag, Herzinfarkt, Krebs und Diabetes) auf weniger als 10% senken kann. Er verglich dafür die in den Todesscheinen angebenen Todesursachen zwischen den San Blas Inseln und dem angrenzenden Festland von Panama über vier Jahre hinweg (2000-2004).

San Blas ist der älteste Bezirk Panamas mit dem höchsten Verschmutzungsgrad und vielen wirtschaftlichen sowie sozialen Brennpunkten. Haupttodesursachen sind Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, AIDS, Influenza oder Malaria.

Die auf San Blas lebenden Kuna trinken bis zu 40 Tassen naturbelassenen Kakao pro Woche. Dieser unbehandelte und unverarbeitete Kakao weist sehr hohe Mengen an Epicatechin auf. Die Kuna kommen auf eine tägliche Menge von fast 900 mg Epicatechin und haben damit wahrscheinlich die flavonoidreichste Ernährung aller Populationen.

Auf dem Festland gab es im angegeben Zeitraum 77.375 Tote, auf San Blas 558. Haupttodesursachen am Festland waren Herz-Kreislauferkrankungen (83,4 Tote pro 100.000 Einwohner pro Jahr), gefolgt von Krebs (68,4 Tote pro 100.000 Einwohner pro Jahr) und Diabetes mellitus (24,1 Tote pro 100.000 Einwohner pro Jahr). Demgegenüber standen 9,2, 4,4 und 6,6 Tote pro 100.00 pro Jahr auf San Blas, also signifikant weniger.

Die Autoren führen diese Differenzen in den Todesursachen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Kakao- und damit Epicatechinkonsum der Inselbewohner zurück. Sie weisen aber auch klar darauf hin, dass aufgrund der unzähligen Risikofaktoren für die genannten Krankheiten eine beobachtende Studie keinesfalls als definitiver Beweis angesehen werden darf. Auf die Kritikpunkte wird später in diesem Beitrag noch näher eingegangen.

Sehr viel weiter lehnt sich jedoch Ernährungsexperte Daniel Fabricant aus dem Fenster. Er ist von den vorhandenen Daten derart begeistert, dass er Epicatechnin in die Gruppe der Vitamine einreihen will. Leider erfüllt Epicatechin jedoch nicht die Kriterien, die ein Vitamin erfüllen muss. Diese müssen essentiell für die normale Funktion, Regulation, den Stoffwechsel und das Wachstum von Zellen sein und in Mangelsituationen üblicherweise zu Krankheiten führen. Als Vizepräsident der Natural Products Association stehen hinter diesen Aussagen natürlich auch kommerzielle Interessen, man denke nur an den Markt der sich mit diesem »Supervitamin« eröffnen würde.

Da Epicatechin ein Bitterstoff ist und deshalb im Produktionsvorgang von Kakaopulver herausgefiltert wird, kann er in Form von handelsüblichen Kakaoprodukten nicht gekauft werden. Man findet Epicatechin noch in grünem Tee, Wein, Schokolade und einigen Früchten.

Die Autoren stellten eine Reihe von Hypothesen auf, wie Epicatechin seine Wirkung entfalten könnte. Im Mittelpunkt dieser Hypothese steht die Stimulation der Stickstoffsynthese, welche zu verbesserter Insulinsensitivität, Plättchenfunktion und interzellulärer Kommunikation, Hemmung der LDL Oxidation (oxLDL) und Erhöhung der HDL Konzentration führen soll.

Nun kommen wir zu den Kritikpunkten:

  • Aufgrund der schlechteren medizinischen Versorgung und den damit einhergehenden limitierten Diagnosemöglichkeiten auf San Blas könnte die Krebsrate deutlich geringer ausgefallen sein als sie tatsächlich war. In den untersuchten vier Jahren gab es beispielsweise keinen einzigen (diagnostizierten) Fall von Gebährmutterhalskrebs.
  • Das Risiko an Herz-Kreislauferkrankungen oder Tumoren zu erkranken steigt drastisch mit zunehmendem Alter. Da die Haupttodesursache der Kuna (altersunabhängige) Infektionskrankheiten darstellen, könnte das frühe Todesalter die Ergebnisse beinträchtigt haben.
    Diesen Kritikpunkt entkräften die Autoren jedoch mit der Tatsache, dass auf San Blas der Anteil an >55jährigen sogar größer sei als auf dem Festland.
  • Da das Leben nicht nur aus Kakaotrinken besteht, können ein unendliche Anzahl an anderen Faktoren die Todesursachen beeinflusst haben. Schon alleine die angesprochene Erhebung der Todesursachen birgt ein Unzahl an Fehlerquellen. Welcher Arzt gibt sich schon Mühe in einem sehr schwachen sozioökonomischen Umfeld und mit äußerst limitierten Mitteln Todesursachen genauestens zu explorieren, anstatt die Ressourcen den Lebenden zu widmen? Daneben spielen objektiv kaum messbare Dinge wie Lifestyle, Streß, Ernährung, Umweltverschmutzung etc. eine große Rolle in der Krankheitsentstehung. Die Liste liese sich nahezu unendlich fortsetzen.
  • Der Genpool scheint aufgrund der relativ geringen Zu- und Abwanderung auf San Blas begrenzt zu sein, bestimme Merkmale könnten sich also durch die ganze Inselbevölkerung ziehen. Dadurch wiederum könnte schon aufgrund der Erbanlagen ein geringeres Risiko für die genannten Krankheiten bestehen oder auch ein besonders gutes Ansprechen auf bestimmte Pflanzenstoffe wie Epicatechin vorhanden sein.

Obwohl die Ergebnisse einen sehr wahrscheinlichen Bezug zwischen Erkrankung bzw. Gesundheit und flavanolhältigem Kakao herstellen, ist eine allzu große Euphorie erst angesagt, wenn weitere Studien die Resultate verifizieren können.

Bayard V, Chamorro F, Motta J, Hollenberg NK. Does flavanol intake influence mortality from nitric oxide-dependent processes? Ischemic heart disease, stroke, diabetes mellitus, and cancer in panama. Int J Med Sci. 2007 Jan 27;4(1):53-8. [Link]

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Eine Reaktion zu “Kakao-Flavonoid Epicatechin mit selbem Stellenwert wie die Entdeckung von Penicillin”

  1. Brahm

    Hallo, möchte mir gerne den unbehandelten Kakao der Kuna Indianer kaufen, wo kann ich ihn bekommen ?

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