Infusion mit HDL-Variante bringt keine Reduktion der Atherosklerose
06. April 2007
Trotz effizienter Behandlungsmethoden kann die Mehrheit der kardiovaskulären Erkrankungen, besonders bei Hochrisikopatienten, nicht verhindert werden. Es besteht diesbezüglich reger Bedarf nach neuen und besseren Behandlungsmethoden. Da das sogenannte »gute Cholesterin« HDL (high density lipoprotein) in der Entstehung bzw. Prävention von Atherosklerose (Gefäßverkalkung) eine große Rolle spielt, ist eine Erhöhung des HDL ein begehrter Ansatzpunkt in der Medizin. Dafür gibt es eine Reihe von oralen Medikamenten, die in den Fettstoffwechsel eingreifen und das HDL dauerhaft erhöhen. Weniger verbreitet und kostenaufwendiger ist die intravenöse Verabreichung von HDL.
Eine provokante Studie stellte die These auf, dass die kurzzeitige Verabreichung einer natürlich vorkommenten Variante von HDL als Infusion zu einem Rückgang der Atherosklerose in den Herzkranzgefäßen (Koronarien) führe. Die HDL-Variante enthielt Apolipoprotein A-I (Milano), welches in einer kleinen Bevölkerungsgruppe in Italien entdeckt wurde (Nissen et al., JAMA. 2003;290:2292-2300). Da die Studie nur eine kleine und bezüglich der Atherosklerosebelastung sehr inhomogene Probandengruppe untersuchte, konnten die Ergebnisse leider nur sehr beschränkt interpretiert werden.
CSL-111 ist ebenfalls eine HDL-Variante, die neben Apolipoprotein A-I noch Phosphatidlycholin von Sojabohnen enthält. Forscher aus Montreal untersuchten die Sicherheit und Effizienz von CSL-111 bei der Behandlung von Atherosklerose der Herzkranzgefäße. Um den Erfolg zu validieren benutzten sie intravaskulären Ultraschall (IVUS) und Koronarangiografie.
183 Patienten wurden in der randomisierten, plazebokontrollierten Studie in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe mit 111 Probanden erhielt über vier Wochen hinweg jeweils wöchentlich 40 mg CSL-111/kg Körpergewicht, eine weitere mit 12 Probanden erhielt 60 mg CSL-111/kg Körpergewicht und die dritte Gruppe (12 Probanden) erhielt eine Plazeboinfusion (Kochsalz). Aufgrund des Anstiegs der Leberwerte musste die Versuchsreihe der 80 mg Gruppe nach 2 Wochen abgebrochen werden.
Nach vier Wochen zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Rückgang des Volumens oder der Anzahl der Atheroskleroseplaques zwischen der 40 mg HDL- und Plazebogruppe (Volumen: -5.3 mm³ vs. -2.3 mm³, Anzahl: -3.4% vs. -1.6%). Trotz dieser eher ernüchternden Ergebnisse halten die Autoren daran fest, dass HDL-Infusionen mit CSL-111 einen wichtigen Ansatzpunkt in der Atherosklerosetherapie darstellen könnten und fordern weitere Forschung mit längerer Anwendungszeit.
Tardif JC, Gregoire J, L’allier PL, Ibrahim R, Lesperance J, Heinonen TM, Kouz S, Berry C, Basser R, Lavoie MA, Guertin MC, Rodes-Cabau J. Effects of Reconstituted High-Density Lipoprotein Infusions on Coronary Atherosclerosis: A Randomized Controlled Trial. JAMA. 2007 Mar 26; [Epub ahead of print] [Link]