Glykämische Last hat keinen Einfluss auf Gewichtsverlust bei Diäten
12. April 2007
Neben dem Glykämischen Index, der die Wirkung eines Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel beschreibt, stellt die Glykämische Last (glycemic load, GL) einen wesentlich besseren Parameter zur Beurteilung eines Lebensmittels dar. Die Reaktion des Blutzuckers hängt nämlich nicht nur vom GI selbst, sondern auch von der Menge des zugeführten Kohlenhydrates ab – und genau die wird bei der Glykämischen Last miteinbezogen. Die GL errechnet sich demnach aus dem Produkt des GI x Kohlenhydratmenge in Gramm geteilt durch 100. Es existieren einige Diäten, die auf den Glykämischen Index basieren, wiederum andere fokussieren sich auf die Glykämische Last als Hauptvariable. Während es bezüglich des GI schon eine Reihe von Untersuchungen gibt, stehen Studien zur Glykämischen Last immer noch im Hintergrund.
Eine aktuelle Studie untersuchte nun, ob sich die Ergebnisse von Diäten mit hoher von Diäten mit niedriger Glykämischer Last unterscheiden. Dazu wurden 34 übergewichtige, gesunde Männer und Frauen (BMI 27,6+/- 1,4) im Alter zwischen 29-41 per Zufall in eine »low-GL« und eine »high-GL« Gruppe eingeteilt. Die low-GL Diät bestand aus 40% Kohlenhydraten, 30% Fett und 30% Protein, die high-GL Gruppe nahm 60% Kohlenhydrate, 20% Fett und 20% Protein zu sich.
Beide Diäten wurden auf eine Kalorienreduktion von 30% des Gesamtbedarfs angelegt und über ein Jahr hinweg eingehalten. Sechs Monate lang wurden sämtliche Nahrungsmittel vom Foschungsinstitut zur Verfügung gestellt, die zweite Hälfte der geplanten Dauer waren die Probanden auf sich alleine gestellt.
Nach sechs Monaten wies die low-GL Gruppe einen durchschnittlichen Verlust von 10,4% des Körpergewichts auf, die high-Gl Gruppe verlor im Schnitt 9% des Körpergewichts. Nach 12 Monaten hatten beide Gruppen durchschnittlich 8% ihres Ausgansgewichts verloren. In beiden Gruppen zeigten sich weiters keine Unterschiede im durchschnittlichen Fettverlust, der Energiezufuhr, dem Energiebedarf, dem Hunger und Sättigungsgrad.
Bei der Überprüfung der tatsächlichen Ernährung fanden die Forscher zudem heraus, dass die Probanden beider Gruppen mehr Kalorien zu sich nahmen als vorgegeben, denn die Kalorienrestriktion betrug nach 6 Monaten nicht 30%, sondern 16-17% (bei low- und high-GL gleichermaßen).
Existierende, ähnliche Langzeitstudien zeigten in den meisten Fällen einen größeren Gewichtsverlust der low-GL Gruppe nach sechs Monaten, der sich jedoch nach 12 Monaten wieder an die high-GL Gruppe anglich. In oben genannter Studie hingegen blieben die Parameter über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg in beiden Gruppen ohne signifikante Unterschiede. Tendenziell zeigte sich jedoch, dass die low-GL Gruppe eher zum Wiederanstieg von Gewicht und Fettgewebe nach zwölf Monaten neigte als die high-GL Probanden, was laut Autoren an der möglicherweise schwerer aufrecht zu erhaltenen Ernährungsweise lag.
Ein wichtiger Unterschied zwischen den vorhandenen Studien und der hier besprochenen Untersuchung ist weiterhin die Tatsache, dass man sich hier – wie bereits erwähnt – nicht auf selbsterstellte Ernährungsberichte der Probanden verlassen hat, sondern die Lebensmittel über sechs Monate hinweg zur Verfügung stellte. Erst danach mussten die Probanden selbst für die adäquaten Lebensmittel sorgen und prompt nahmen sie in diesen letzten Monaten wieder etwas zu. Die low-GL Gruppe, deren Lebensmittelauswahl komplizierter als bei der high-GL Gruppe war, zeigte in diesem Zeitraum auch eine höhere Wiederzunahme des Gewichts.
Die Forscher schliessen aus ihren Ergebnissen, dass bei Diäten nicht die Glykämische Last, sondern vielmehr die Kalorienrestriktion und deren strikte Einhaltung über längere Zeit ausschlaggebend sei. Die Glykämische Last spiele einzig bei Menschen mit hoher Insulinsekretion eine Rolle, wie etwa bei Patienten mit Diabetes mellitus.
Das SK, Gilhooly CH, Golden JK, Pittas AG, Fuss PJ, Cheatham RA, Tyler S, Tsay M, McCrory MA, Lichtenstein AH, Dallal GE, Dutta C, Bhapkar MV, Delany JP, Saltzman E, Roberts SB. Long-term effects of 2 energy-restricted diets differing in glycemic load on dietary adherence, body composition, and metabolism in CALERIE: a 1-y randomized controlled trial. Am J Clin Nutr. 2007 Apr;85(4):1023-30. [Link]
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Am 2. Juni 2007 um 16:00 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
diesen Artikel verstehe ich nicht. Behauptet wird, dass die GL keinen Einfluss auf die Gewichtsabnahme habe. Die beiden Probandengruppen unterscheiden sich aber nicht in der GL sondern nur im Anteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr. Aber nicht die Quantität, sondern die Qualität der Kohlenhydrate ist ausschlaggebend (GI
Am 2. Juni 2007 um 17:31 Uhr
Hallo,
vielen Dank für den Kommentar.
Bei der Berechnung der Glykämischen Last sind Qualität UND Quantität des betreffenden Lebensmittels ausschlaggebend. Qualität in Form des spezifischen Glykämischen Index und Quantität in Form der zugeführten Nahrungsmittelmenge.
Die im Beitrag erwähnte Aufteilung der Makronährstoffe wurde nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Den Probanden wurden die Lebensmittel für sechs Monate zur Verfügung gestellt, dabei wurde selbstverständlich auf besagte Qualität und Quantität (also letztlich auf die Glykämische Last) der Nahrungsmittel als integrativen Bestandteil der Studie geachtet.
Ich hoffe damit alle Unklarheiten beseitigt zu haben.
MfG
docmed