Glykämische Last als Risikofaktor?

14. Juli 2007

Glykämische Last und Glykämischer IndexAn Erkrankungen des Gefäßsystems (z.B. Atherosklerose) und den damit assoziierten Folgekrankheiten wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Hirnschlag wurde bislang hauptsächlich dem Cholesterin die Schuld gegeben. Die Bedeutung von Kohlenhydraten wurde in diesbezüglich zwar schon öfter diskutiert, entsprechende Studien lieferten bisweilen jedoch keinen fundierten Zusammenhang. Dies könnte sich nun ändern: Eine Zwischenauswertung der großangelegten EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) zeigte eine direkte Beziehung zwischen der Glykämischen Last und Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems.

Die Glykämische Last stellt eine Weiterentwicklung des allseites bekannten Glykämischen Index (Glyx, GI) dar. Letzterer Index beschreibt die Reaktion des Blutzuckers auf den Konsum kohlenhydratreicher Lebensmittel. Die Reaktion des Blutzuckers hängt jedoch nicht nur von der Art des Kohlenhydrats, sondern auch von der zugeführten Menge ab. Aus diesem Grund führte man die Glykämische Last ein, welche auch die Quantität der zugeführten Kohlenhydrate berücksichtigt. Berechnet wird die Glykämische Last aus dem Produkt des Glykämischen Index x Kohlenhydratmenge in Gramm geteilt durch 100. Eine Portion Müsli mit 30 g beinhaltet beispielsweise 19 g verwertbare Kohlenhydrate. Bei einem Glykämischen Index von 55 ergibt sich so eine Glykämische Last von circa 10. Ein Viertelliter Vollmilch hat im Vergleich nur eine Glykämische Last von 3.

Im Rahmen der EPIC-Studie wurden 15714 Frauen im Alter von 49-70 Jahren über einen Zeitraum von neun Jahren hinweg beobachtet. Keine der Frauen litt zu Beginn der Studie an Diabetes mellitus oder Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Beurteilt wurden die Zusammenhänge zwischen Ernährung (Glykämischer Index und Glykämische Last) und der Entwicklung von zerebrovaskulären (=Gehirn) oder kardialen (=Herz) Krankheiten.

Insgesamt traten 556 Fälle von koronarer Herzkrankheit und 243 zerebrovaskuläre Erkrankungen auf. Es zeigte sich, dass ein hoher Glykämischer Index vorwiegend mit der Entstehung von Herzerkrankungen assoziiert war, jedoch nicht mit zerebrovaskulären Krankheiten. Im Gegensatz dazu wurde eine hohe Glykämische Last mit erhöhten Risiken für beide Erkrankungen in Verbindung gebracht. Während vor allem Frauen mit starkem Übergewicht (BMI > 25) davon betroffen waren, wiesen schlanke Frauen kaum ein gesteigertes Risiko auf.

Mahlzeiten mit viel Gemüse, Fisch, Eiern, Fleisch, Nüssen und Käse haben eine niedrige Glykämische Last und senken somit das Risiko. Der regelmäßige Verzehr von Kohlenhydraten in Form von Cornflakes, Kartoffeln oder Zucker steigert die Glykämische Last und mit ihr die Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden.

Die Schlussfolgerung aus diesen Forschungsergebnissen bestätigt das, was der Hausverstand schon längst weiß: In der Prävention von Gefäßkrankheiten spielt nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität der Kohlenhydrate eine große Rolle. Die Glykämische Last sollte demnach noch vor dem Glykämischen Index in der Ernährungs- und Diätplanung Beachtung finden.

Beulens JW, de Bruijne LM, Stolk RP, Peeters PH, Bots ML, Grobbee DE, van der Schouw YT. High dietary glycemic load and glycemic index increase risk of cardiovascular disease among middle-aged women: a population-based follow-up study. J Am Coll Cardiol. 2007 Jul 3;50(1):14-21. Epub 2007 Jun 18.

Weiterführende Literatur: Gesunde Ernährung

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