Gentechnisch veränderte Tomaten decken Tagesbedarf an Folsäure
12. März 2007
Der Mensch benötigt eine gewisse tägliche Menge an essentiellen Mikronährstoffen, Vitaminen und Mineralien für die Aufrechterhaltung der Gesundheit. Eine Unterversorgung kann weitreichende gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen, in den entwickelten Ländern konnte einer Mangelernährung in den letzten Jahren und Jahrzehnten jedoch durch Anreicherung von Nahrungsmitteln und Supplementation der entsprechenden Stoffe einschneidend entgegengewirkt werden. In den Entwicklungsländern hingegen ist die Mangelversorgung mit Mikronährstoffen immer noch ein großes und weitreichendes Problem. Einer dieser Mikronährstoffe ist die Folsäure, deren effiziente Anreicherung in Tomaten nun einem Forscherteam aus Florida gelungen ist.
Ein Mangel an Folsäure äußert sich in Blutarmut (Anämie), viel schwerwiegender wirkt sich ein Mangel jedoch bei Schwangeren aus. Die Mangelversorgung kann im Mutterleib zu Fehlbildungen des Fötus (beispielsweise Neuralrohrdefekte wie Spina bifida oder Anenzephalie), Frühgeburt, oder später zu verlangsamtem Wachstum und einer Reihe anderer Entwicklungsstörungen des Kindes führen.
Hauptquelle für Folsäure sind Pflanzen, vor allem Blattgemüse wie etwa Spinat, aber auch Brokkoli oder Karotten. Reis, Mehl oder Getreideprodukte sind relativ arm an Folsäure. In den USA werden diese Produkte mit Folsäure angereichert um die empfohlene Tagesdosis von 400 µg bei Erwachsenen und 600 µg bei Schwangeren zu erreichen (diese Empfehlungen decken sich mit jenen aus Deutschland). In Europa ist eine solche Anreicherung noch nicht sehr verbreitet, der durchschnittliche Deutsche nimmt im Schnitt auch nur 240 µg/Tag zu sich.
Pflanzen synthetisieren Folsäure aus Pteridin, p-Aminobenzoat (PABA) und Glutamat. Die Forscher führten in ihrer Studie durch genetische Manipulation die Überproduktion eines Enzyms namens Aminodeoxychorismat-Synthase her, welches am ersten Schritt der PABA-Synthese beteiligt ist. Dadurch war der Folatgehalt in der resultierenden Tomate bis zu 19x höher als in den unveränderten Kontrolltomaten. Kombinierte man diese Manipulation mit einer bereits in einer früheren Studie praktizierten genetischen Veränderung in der Pteridinsynthese, so resultierte sogar ein bis 25fach höherer Folatgehalt. Dadurch könnte man mit weniger als einer Tomate am Tag die empfohlene Dosis erreichen.
Von der Forschung bis zur Praxis ist natürlich noch ein weiter Weg, es wird noch Jahre dauern bis die gentechnisch veränderten Tomaten von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassen werden, doch die Forscher zeigen sich enthusiastisch:
»Jetzt, da wir gezeigt haben, dass es funktioniert, können wir unsere Arbeit auf Getreide und andere Feldfrüchte anwenden um weniger entwickelten Ländern zu helfen, wo Folsäuremangel noch ein sehr ernsthaftes Problem darstellt.«
Andrew Hanson, Universität von Florida
Die Wissenschaftler gehen demnach davon aus, dass ihre Ergebnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf andere Pflanzen anzuwenden sind.
Garza R, Gregory JF, Hanson AD. Folate biofortification of tomato fruit. PNAS. March 6, 2007 Vol. 104/10. 4218-4222. Published online before print March 5, 2007. [Link]
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