Fußballspielen ist gesünder als Joggen
13. September 2007
Im Kampf gegen die weltweit steigende Rate an Menschen mit Übergewicht sind Strategien zur Bekämpfung dieser Pandemie äußerst gefragt. Da der Mensch jedoch grundsätzlich zur Faulheit neigt, kommt regelmäßiger Sport immer mehr aus der Mode. Stundenlanges Sitzen auf dem Fahrrad oder einsames Laufen am Straßenrand ist vielen einfach zu langweilig bzw. anstrengend. Fehlende Motivation lässt die heimatliche Couch – trotz aller guten Vorsätze – schon bald wieder zum besten Freund werden. Forscher fragten sich, wie der Spaßfaktor beim Sport wiederbelebt werden könne und besinnten sich dabei auf traditionelle Ballkünste – das Fußballspielen. Doch ist Fußballspielen gesundheitlich wirklich empfehlenswert?
Der Sportwissenschaftler Peter Krustup und seine Mitarbeiter der Universität Kopenhagen untersuchten die Auswirkungen von regelmäßigem Fußballtraining im Vergleich zu regelmäßigem Joggen auf Gesundheit und Fitness. Ein Fußballteam aus 14 untrainierten Männern im Alter zwischen 20-40 Jahren wurde über einen Zeitraum von drei Monaten regelmäßigen Fitnesstests unterzogen und die fettfreie Muskelmasse, das Körperfett, der Blutdruck und die Insulinsensitivität gemessen.
Das zwei- bis dreimal wöchentlich absolvierte Fußballtraining im Ausmaß von jeweils etwa einer Stunde zeigte beeindruckende gesundheitliche Vorteile. Der Körperfettanteil und Blutdruck sanken, die fettfreie Muskelmasse stieg und die körperliche Fitness verbesserte sich signifikant.
Parall dazu führten die Wissenschaftler dieselben Tests auch an einer Gruppe von Joggern und einer passiven Kontrollgruppe durch. Die Läufer trainierten ähnlich den Fußballern zwei- bis dreimal wöchentlich für ca. eine Stunde. Im Vergleich zu den Fußballern waren die Ergebnisse in der Joggergruppe jedoch ernüchternd. Zwar verbesserten sich auch hier die erhobenen Vergleichsparameter, jedoch in geringerem Ausmaß als bei den Fußballspielern. So verloren die vermeintlichen Ballkünstler durchschnittlich 3,5 kg Körperfett und legten 2 kg Muskelmasse zu, während die Jogger nur 2 kg Körperfett verloren und keine merkbare Muskelmasse aufbauten. Wie die Fußballer wiesen auch die Jogger signifikante Verbesserungen von Blutdruck und Insulinsensitivität auf.
Peter Krustup führt die Ergebnisse darauf zurück, dass beim Fußballspielen der ständige Wechsel zwischen Gehen, Laufen und Sprinten einen maßgeblichen Beitrag zu den hervorragenden gesundheitlichen Effekten dieses Sports leistet. Durch die unterschiedlichen Belastungen werden alle Arten von Muskelfasern aktiviert, während beim moderaten Joggen nur die langsamen Muskelfasern angesprochen werden. Abgesehen davon hatten die Fußballer Spaß an ihrem Sport und empfanden ihn deshalb nicht als Belastung. Der Mehrheit der Jogger fehlte hingegen – laut durchgeführter Befragung – bald jegliche Motivation. Krustup meint, dass die Menschen beim Laufen zu viel Zeit hätte, sich auf die körperliche Belastung und das noch zu absolvierende Pensum zu konzentrieren:
»When you play soccer, you push those thoughts aside. The players are caught up in the game and they don’t notice that their hearts are pounding. It is fun, and the team needs all players to contribute and so they forget that it is hard. That is also happends to be very good exercise is an additional bonus.«
Im Kampf gegen Übergewicht und die damit assoziierten Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie oder Gefäßverkalkung scheint das Fußballspielen laut Krustup eine gute Alternative zum Joggen oder vergleichbaren Sportarten darzustellen.
So gut die Ergebnisse der Studie auch sein mögen, ein Umstand wird nur wenig beachtet: Fußball zählt als sogenannte Kontaktsportart zu den verletzungshäufigen Sportarten der Welt. Chronische Überlastungen spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die durch Gegnerkontakt entstandenen Traumata. Je nach Land reicht die Häufigkeit von 12-35 Verletzungen pro 1000 Spielstunden. Während des Trainings ist die Verletzungshäufigkeit vier- bis sechsmal geringer.
Gesundheitspolitisch ideal wäre demnach nicht das Fußballmatch an sich, sondern vielmehr das regelmäßige Fußballtraining mit etwas milderem Körperkontakt. Aber war da nicht was mit einem Spaßfaktor?
Quelle: Universität Kopenhagen
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Am 14. September 2007 um 10:20 Uhr
Einen »ständigen Wechsel zwischen Gehen, Laufen und Sprinten« kann man sehr simpel in ein Laufprogramm einbauen (z.B. Intervalle, oder, etwas weniger rigide, das, was Läufer als »Fahrtspiel« bzw. »Fartlek« bezeichnen, also spielerischer Tempowechsel beim Laufen).
Damit hätte man genau den gleichen kardiovaskulären Effekt, aber ohne (oder mit bedeutend weniger) Verletzungsrisiko durch abrupte Richtungswechsel, Stürze und Körperkontakte.
Gerade bei Übergewichtigen dürfte die zusätzliche Gelenkbelastung durch Drehungen und andere abrupte Bewegungen ein weiterer Grund sein, Fußball nicht zum Training der Wahl zu machen.