Folsäure senkt Risiko für Schlaganfall
02. Juni 2007
Hohe Mengen von Homocystein werden als einer der Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schlaganfalls, Herzinfarkts und einer Beinvenenthrombose gesehen. Folsäure wiederum senkt den Homocysteinspiegel im Blut, weshalb dieser Substanz eine gewisse Rolle bei der Prävention der genannten Krankheiten nachgesagt wird, insbesondere bei Personen mit mangelhafter Vitamin B Versorgung. Die Studienlage dazu liefert allerdings divergente Aussagen. Denn einige Untersuchungen zeigten positive Auswirkungen der Supplementation von Folsäure, während andere Studien diese Ergebnisse nicht bestätigen konnten.
In einer Studie aus dem Jahr 2006 (Bonaa et al., New England Journal of Medicine, 2006 Apr 13;354(15):1578-88) konnte beispielsweise kein Zusammenhang zwischen der Gabe von Folsäure (in Kombination mit zwei anderen B-Vitaminen) und einem reduzierten Risiko für die Entwicklung eines Herzinfarktes hergestellt werden. Im Gegenteil, die Studie fand sogar ein erhöhtes Herzinfarktrisiko in Zusammenhang mit Folsäuresupplementation. Eine weitere Studie desselben Jahres konnte ebenso kein reduziertes Herzinfarktrisiko feststellen, zeigte jedoch ein leicht vermindertes Risiko für die Entwicklung eines Schlaganfalls.
Die Effizienz einer homocysteinsenkenden Therapie in Bezug auf ein vermeintlich reduziertes Herzinfarktrisiko bleibt also weiterhin kontroversiell. Eine Gruppe von Wissenschaftlern machte es sich nun zur Aufgabe, die aktuell vorhandene Studienlage in Hinblick auf Supplementation von Folsäure und das Risiko für die Entwicklung eines Schlaganfalls zu durchforsten und einen möglichen Konsens herauszuarbeiten.
Die im renommierten Journal The Lancet publizierte Meta-Studie nahm dazu acht randomisierte Folsäure-Studien mit dem Endpunkt Schlaganfall ins Visier. Im Gegensatz zum Herzinfarktrisiko lieferten die Daten ein relativ eindeutiges Ergebnis: Folsäuresupplementation senkte das Risiko für einen Schlaganfall signifikant um 18%. Die größten Verbesserungen im Risikoprofil wurden bei Personen mit folgenden Chaktaristika gefunden:
- Einnahme von Folsäure für mehr als drei Jahre (29% geringeres Risiko).
- Reduktion des Homocysteinspiegels um mehr als 20% (23% geringeres Risiko),
- Keine Schlaganfälle in der Vorgeschichte (25% geringeres Risiko).
- Kein Zugang zu folsäureangereichtertem Getreide, sprich: niedrigere Ausgangsspiegel an Folsäure (25% geringeres Risiko).
Mit Ausnahme von schwangeren oder stillenden Frauen würde nach Aussage von Dr. Wang, der Hauptautorin der Meta-Studie, allen Bewohnern der westlichen Welt bei gesunder Ernährung eine ausreichende Versorgung mit Folsäure zuteil werden. Es würde jedoch mehr Forschung benötigt, um die Notwendigkeit einer erhöhten Folsäuresupplementation bei Risikogruppen zu evaluieren. Nichtsdestotrotz konnte in der Meta-Studie nachgewiesen werden, dass Folsäure in der Primärprävention eindeutig positive Effekte auf das Risiko eines Schlaganfalls ausübt.
Wang X, Qin X, Demirtas H, Li J, Mao G, Huo Y, Sun N, Liu L, Xu X. Efficacy of folic acid supplementation in stroke prevention: a meta-analysis. The Lancet 2007; 369:1876-1882
Weiterführende Literatur: Folsäure
Vitamine - Segen oder Fluch?
Gentechnisch veränderte Tomaten decken Tagesbedarf an Folsäure