Explosive Bewegungen eignen sich am besten zum Abnehmen
30. August 2007
Durch die negative Kalorienbilanz im Rahmen einer Diät verliert man nicht nur Fett, sondern auch reichlich Muskulatur. Um dem entgegen zu wirken eignet sich vor allem Krafttraining. Mit Krafttraining kann man jedoch nicht nur den Muskelabbau verhindern, sondern auch zum Prozess des Abnehmens beitragen. Regelmäßiges Hantelstemmen verbrennt nämlich einerseits Kalorien und erhöht andererseits den Gesamtenergiebedarf des Körpers – denn je mehr Muskeln vorhanden sind, desto mehr Energie wird verbraucht. Krafttraining ist aber nicht gleich Kraftttraining! Es gibt viele beinflussbare Variablen wie Gewicht, Geschwindigkeit der Ausführung oder Übungsauswahl.
Eine kleine Studie verglich die Auswirkungen von explosiver versus langsamer Ausführung von Kniebeugen auf den Energieverbrauch während und nach dem Training. Dazu mussten neun Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren jeweils drei verschiedene Übungsprotokolle an einer Kniebeugenmaschine ausführen.
Die Kniebeugen wurden entweder langsam (konzentrische Aufwärtsphase über 2 Sekunden) oder explosiv ausgeführt. Die Zahl der Wiederholungen (8), Sätze (4) und das Gewicht (60% des 1RM) blieben jeweils konstant (1RM=Repitition Maximum, also dasjenige Gewicht, mit dem maximal eine Wiederholung möglich ist). Ein zweites Ziel der Studie war der Vergleich zwischen Trainingseinheiten mit hoher und moderater Intensität. Dazu wurden schwerere Gewichte (80% des 1RM) verwendet und sechs Sätze á vier Wiederholungen ausgeführt.
Die exzentrische Übungsphase (=in die Knie gehen) dauerte bei allen drei Protokollen 2 Sekunden. Auch die Arbeit (Wiederholungen x Sätze x Übungsgewicht), die ROM (=Range of Motion; Bewegungsradius) und die Pause zwischen den Sätzen (90 Sekunden) waren ident.
Die ausgeatmete Luft wurde 20 Minuten vor, während und 1 Stunde nach dem Training gesammelt. Blutproben wurden vor, unmittelbar und 15, 30, 45 und 60 Minuten nach jeder Trainingseinheit abgenommen und das Laktat bestimmt. Als Kontrolle wurden sämtliche Tests auch ohne Übungen durchgeführt.
Es zeigte sich, dass der durchschnittliche Energieverbrauch pro Minute während (7,27kcal ± 2,00 > 6,43kcal ± 1,64 und 6,25kcal ± 1,55) und nach (2,54kcal ± 1,44 > 2,38kcal ± 1,31 und 2,21kcal ± 1,08) dem Training bei explosiver Übungsausführung signifikant größer war als bei der langsamen Ausführung oder bei Verwendung schwerer Gewichte. Einzig der Laktatwert war bei langsamer Ausführung höher.
Demnach scheint – zumindest bei Kniebeugen – eine explosive Ausführung mit moderatem Gewicht den Energieverbrauch am effektivsten anzuheben und somit am geeignetsten zum Abnehmen zu sein. Trotz dieses Vorteils sollte jedoch beachtet werden, dass schnelle – und damit oftmals unkontrollierte – Bewegungen schnell zu Verletzungen führen können und deshalb eher erfahrenen Trainierenden vorbehalten sind. Weiters stellt ein Probandenkollektiv von neun Personen keine so repräsentative Anzahl dar, um nicht weitere, größer angelegte Studien zu fordern.
Mazzetti S, Douglass M, Yocum A, Harber M. Effect of Explosive versus Slow Contractions and Exercise Intensity on Energy Expenditure. Medicine & Science in Sports & Exercise. 39(8):1291-1301, August 2007.
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Am 30. August 2007 um 18:47 Uhr
Bei diesen riesigen Fehlern kann man sich wahrscheinlich noch über die Signifikanz streiten.
»Superfast«(tm) ist mir aber ohnehin lieber als »Superslow«(tm).
Am 30. August 2007 um 19:13 Uhr
@ilpadre:
Die Signifikanz ist in der Studie mit p≤0,05 angegeben.
Bei angenommener Nettotrainingszeit von 30 Minuten beträgt der Unterschied im Kalorienverbrauch zwischen »schnell« und »schwer« immerhin ca. 30 kcal. Bei 4 Trainingseinheiten pro Woche sind das 120 kcal. Nicht die Welt…aber so könnte man sich zumindest eine Sünde mehr erlauben.
Aber wiegesagt, das Probandenkollektiv ist natürlich äußerst klein.
MfG
Am 30. August 2007 um 21:57 Uhr
— und die jungen Männer sind natürlich auch nicht unbedingt die Altersgruppe, die das Abnehmen nötig haben sollte.
Wer seine Knie bereits gelegentlich mehr oder weniger schmerzhaft spürt, wird für die Empfehlung: »Explosive Bewegungen!« nicht sehr empfänglich sein. Aber für eher sinnlose Spezialstudien ist immer Geld da.
Am 31. August 2007 um 16:02 Uhr
@klaus:
Leider sind von der Problematik des Übergewichts schon lange nicht mehr nur die älteren Menschen betroffen. Übergewicht bei Kindern ist im Vormarsch und bedroht die Gesundheitssysteme der Industrienationen wie kaum ein anderes Problem.
Explosive Bewegungen stellen für die Gelenke nicht unbedingt mehr Belastung dar, da viel Energie über Bänder und Muskeln kompensiert wird. Man darf und soll »explosiv« allerdings nicht mit »unkontrolliert« verwechseln! Ganz im Gegensatz dazu stehen die Gelenke bei langsamer Bewegungsausführungen länger unter Belastung.
Ohne sog. »sinnlose« Studien wäre die Welt wohl immer noch eine Scheibe ;)
MfG