Erektile Dysfunktion (Impotenz) bei Diabetes

16. März 2007

Erektile Dysfunktio Impotenz DiabetesErektile Dysfunktion (ED) ist eine bekannte und sehr unangenehme Komplikation von Diabetes mellitus. Die Zahlen sind erschreckend, denn ungefähr 50% aller Diabetiker leiden an Impotenz. Die Ursachen sind multifaktoriell und beinhalten zentrale und periphere Nervenschädingungen, herabgesetzte Endothelfunktion (Endothel=innere Gefäßschicht) und Fehlfunktion der glatten Muskelzellen (Gefäße, Schwellkörper).

Das bekannte Potenzmittel Viagra mit seinem Wirkstoff Sildefanil ist nur bei ca. 50% der Patienten mit Diabetes wirksam. Da Viagra peripher an den glatten Muskelzellen seine Wirkung entfaltet liegt die Vermtung nahe, dass auch zentrale Prozesse im Gehirn wesentlich an der erektilen Dysfunktion bei Diabetikern beteiligt sind.

Von einem bestimmten Kern im Hypothalamus, dem sogenannten Nucleus paraventricularis (PVN), weiß man, dass er am komplexen Vorgang der Erektion starken Anteil nimmt. Er fungiert hauptsächlich als Schaltzentrum zwischen zentralem und peripherem Nervensystem. Die ungewöhnliche Kombination aus Erektion, Gähnen und Stretchen entsteht bei Applikation von N-methyl-D-aspartatic acid (NMDA) in den Nucleus paraventricularis. Dieses NMDA wiederum fördert die Synthese von Stickstoffmonoxid (NO), welches auch am peripheren Teil des Erektionsvorgangs beteiligt ist (es entspannt die glatten Muskelzellen im Penis). Neben dieser peripheren Funktion gibt es aber auch zunehmend Hinweise, dass NO als Neurotransmitter (Botenstoff) im Hirn fungiert und von dort aus zentral das sexuelle Verhalten und die Erektion mitmoduliert.

In einer Studie von Zheng et al. wurde aufgrund dieser Hinweise untersucht, wie sich die Applikation eines NO-Syntheseblockers auf die Erektionsfähigkeit von diabetischen Ratten auswirkt. Dazu wurde Ratten ein Wirkstoff namens Streptozotocin verabreicht um Diabetes mellitus zu induzieren. Vier Wochen später wurden folgende Experimente durchgeführt:

  1. Was passiert bei Hemmung der NO-Produktion (mittels l-NMMA) bei gesunden Ratten (Kontrollgruppe)?
    Resultat: Die bereits erwähnten, NMDA-abhängigen Symptome Erektion, Gähnen und Stretchen wurden durch die Hemmung der NO-Synthese stark reduziert.
  2. Was passiert bei Verabreichung von NMDA oder Natrium-Nitroprussid (einem Stoff der NO abgibt) an diabetische und gesunde Ratten?
    Resultat: Die NMDA-abhängige Erektion war bei den diabetischen Ratten signifikant abgeschwächt.
  3. Wie wirkt sich Diabetes auf das NO-produzierende Enzym NOS aus?
    Resultat: Das Vorhandensein von NOS war bei den diabetischen Ratten deutlich reduziert und somit auch NO selbst.
  4. Verbessert sich die Erektion, wenn man bei den Diabetes-Ratten das stickstoffproduzierende Enzym (NOS) durch Gentransfer wiederherstellt?
    Resultat: Durch die Wiederherstellung des Enzyms verbesserte sich auch die Erektionsfähigkeit (und Gähnen+Stretchen) bei den Diabetesratten wieder signifikant.

Zusammenfassend konnte in der Studie gezeigt werden, dass die erektile Dysfunktion bei Diabetes auf einen Defekt des NO-Mechanismus basiert. Dieser Defekt besteht vor allem aus dem Verlust des für die Produktion von NO verantwortlichen Enzyms NOS (NO-Synthetase) in den Neuronen des Nucleus paraventricularis im Hypothalamus. Eine Wiederherstellung dieses Enzyms könnte einen deutlichen Erfolg bei erektiler Dysfunktion bringen, vor allem bei bisher therapieresistenten Formen.

Zheng H, Bidasee KR, Mayhan WG, Patel KP. Lack of central nitric oxide triggers erectile dysfunction in diabetes. Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol. 2007 Mar;292(3):R1158-64. [Link]

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Eine Reaktion zu “Erektile Dysfunktion (Impotenz) bei Diabetes”

  1. Matthias

    Sehr interessanter Artikel! Finde das Thema Impotenz schon sehr kompliziert und es ist sehr schön, dass immer mehrere Blogs darüber berichten. Hoffentlich haben die mehrere Leute auf das Problem aufmerksam gemacht! Danke.

    Gruß Matthias

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