Broccoli, der Gesundheitsbooster
26. September 2007
Broccoli könnte der neue Star am Gesundheitshimmel werden. Aus einer chemischen Komponente dieses und anderer Kreuzblütengewächse (wie Grünkohl oder Weißkohl) entsteht bei der Verdauung der Wirkstoff 3,3′-Diindolylmethan, kurz DIM genannt. Diindolylmethan ist vielen Vegetariern bereits ein Begriff, denn in Tierstudien konnte gezeigt werden, dass es das Wachstum bestimmter Krebsarten zu hemmen vermag. Eine neue Studie bescheinigt DIM nun auch eine positive Wirkung auf das Immunsystem.
In den letzten Jahren konnte nachgewiesen werden, dass DIM am Prostatagewebe eine starke antiandrogene Wirkung besitzt, indem es das Andocken von Testosteron (=männliches Geschlechtshormon) verhindert und somit der Entstehung von Prostatakrebs entegenwirkt. Auf molekularer Ebene entspricht DIM dem Medikament Casodex. Auch auf das weibliche Geschlechtshormon übt DIM eine Wirkung aus, indem es krebsfördernde Varianten dieses Hormons senkt (z.B. 17-Hydroxyöstron) und krebsprotektive Formen (z.B. 2-Hydroxyöstron) erhöht. Dadurch wird vor allem das Brustkrebs- und Gebährmutterkrebsrisiko vermindert.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte nun die Wirkung von DIM auf das Immunsystem von Mäusen. Diesen wurden 30 mg DIM pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht, woraufhin sich ein signifikanter Anstieg bestimmter Abwehrstoffe (Interleukin-6, Interleukin-12, Interferon-gamma und Granulozyten Colony Stimulating Factor G-CSF) einstellte. Neben den Versuchen an lebenden Mäusen validierten die Forscher ihre Ergebnisse in vitro an Zellkulturen. Im Vergleich zur Kontrollprobe verdoppelte sich in diesen Experimenten die Zahl der weißen Blutkörperchen und bestätigte somit obige Ergebnisse. In Kombination mit anderen Stimulatoren des Abwehzellwachstums potentierte sich die Wirkung sogar bis auf des 3fache bis 6fache.
Um die immunaktivierende Wirkung zu überprüfen, infizierten sie die Mäuse mit einem Virus. Mäuse, denen in Folge orale Dosen von DIM verabreicht wurden, konnten den Virus signifikant schneller bekämpfen und eliminieren als die Vergleichsgruppe ohne DIM.
Interessanterweise zeigte DIM keine Wirkung, wenn es intravenös verabreicht wurde. Nur bei oraler Einnahme waren die beschriebenen Effekte zu beobachten. Laut den Studienautoren sei wohl ein bisher noch nicht entdeckter biochemischer Prozess im Magen-Darmtrakt für die unterschiedliche Wirkung verantwortlich.
»This means that DIM is augmenting the body’s ability to defend itself by inhibiting the proliferation of the virus« Dr. Bjeldanes
Neben der hemmenden Wirkung auf bestimmte Krebsformen erweitert sich mit der Entdeckung der positiven Effekte auf das Immunsystem das Wirkspektrum von Diindolylmethan (DIM) immer mehr. Laut den Studienautoren gäbe es außer DIM derzeit keinen anderen Wirkstoff, der diese Effekte gleichzeitig bewerkstelligen könne. Diindolylmethan wird derzeit in klinischen Studien als mögliches Medikament für Prostata- und Gebährmutterkrebs untersucht.
Xue L, Pestka JJ, Li M, Firestone GL, Bjeldanes LF. 3,3′-Diindolylmethane stimulates murine immune function in vitro and in vivo. J Nutr Biochem. 2007 Aug 16; [Epub ahead of print]
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