15 Minuten Bewegung pro Tag mindern Risiko für Übergewicht um 50% bei Kindern
21. März 2007
Übergewicht ist ein ernstzunehmender Risikofaktor für eine Reihe von Krankheiten wie etwa Herzinfarkt, Hirninfarkt, Diabetes, Krebs oder Arthrose. Gerade in den enwickelten Ländern wird Übergewicht auch bei Kindern immer mehr zu einem Problem. Die Ursachen dafür sind eindeutig: Die Kinder führen zuviel Energie zu und verbrauchen zu wenig. Unklar war bisweilen jedoch die prozentuelle Verteilung der spezifischen Ursachen, inwieweit also ein Mangel an Bewegung oder ein Zuviel an Nahrung ausschlaggebend sind. Diese Frage ist Gegenstand ständiger Debatten in wissenschaftlichen Kreisen. In den letzten Jahren zeige sich jedoch eine Interessante Entwicklung: Obwohl in einigen Ländern im Durchschnitt sogar weniger gegessen wurde, stieg die Zahl der Übergewichtigen trotzdem an. Das legt den Schluss nahe, dass ein Mangel an Bewegung einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entwicklung trägt.
Bei einer diesbezüglichen Datenerhebung gibt es zwei wesentliche Punkte, die nur schwer zu messen sind. Da wäre erstens die qualitative und quantitative Messung der köperlichen Aktivität und zweitens die Differenzierung von Fett- und Muskelmasse zur eigentlichen Definion des Übergewichts. Üblicherweise wird hiefür der BMI verwendet, der jedoch nicht zwischen Muskel- bzw. Fettmasse unterscheidet und deshalb auch muskulöse Menschen als übergewichtig erscheinen lässt.
Ein Forscherteam aus Bristol stellt sich nun dieser Aufgabe und verwendete dabei neueste Methoden zur Messung der angesprochenen Parameter. Als Probanden wurden 5500 12jährige Kinder aus den ALSPAC-Studie verwendet (Avon Longitudinal Study of Parents and Children). Diese Studie begleitet und untersucht seit 1990 ca. 14.000 Mütter (seit deren Schwangerschaft ) und ihre Kinder bezüglich einer Reihe gesundheitlicher Aspekte.
Jedes Kind trug einen sogenannten »Actigraph Aktivitätsmonitor« , der die Bewegungen der Kinder für mindestens 3 Tage bis 1 Woche aufzeichnete. Für die Bestimmung der Fettmasse wurde ein »Lunar Prodigy dual x-ray emission absorptiometry scanner (DXA)« verwendet. Das ist ein spezielles Röntgenverfahren mit dem man ziemlich genau zwischen Muskelmasse und Fettmasse unterscheiden und das Fettverteilungsmuster bestimmen kann. Demnach wurden 10% der Probanden als übergewichtig deklariert.
Die Analyse der Ergebnisse zeigte einen beständigen Trend: Je größer die Fettmasse, desto geringer die körperliche Aktivität. Dieser Zusammenhang war bei Knaben deutlicher als bei Mädchen. Die Daten zeigten auch, dass moderate und intensive Bewegung einen größeren Einfluss auf die Entwicklung von Übergewicht hat als die Gesamtaktivität über den Tag verteilt. Eine Steigerung der körperlichen Aktivität um 15 Minuten pro Tag senkt laut den statistischen Ergebnissen der Studie das Risiko einer Entwicklung von Übergewicht um 50% bei Knaben und 40% bei Mädchen.
Das Forscherteam gibt jedoch auch Einschränkungen ihrer Studie zu. Demnach wäre es natürlich auch möglich, dass die festgestellte, geringere körperliche Aktivität der übergewichtigen Kinder nicht Ursache, sondern Folge des Übergewichts sei. Mit anderen Worten: Dicke Kinder könnten aufgrund der körperlichen Einschränkungen auch schlichtweg zu weniger Sport genötigt sein.
Nichtsdestotrotz erscheint geringe körperliche Aktivität bei Kindern ein - im wahrsten Sinne des Wortes – gewichtiger Faktor in der Entwicklung von Übergewicht zu sein. Es liegt nun an den jeweiligen Eltern, Schulen und letztlich Regierungen, den Kindern Sport und Bewegung wieder schmackhafter zu machen.
Ness R, Leary SD, Mattocks C, Blair SN, Reilly JJ, Wells J, Ingle S, Tilling K, Riddoch C. Objectively Measured Physical Activity and Fat Mass in a Large Cohort of Children. PLoS Medicine. March 2007. [Eprint] [Link]
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